Danmarks Breve

BREV TIL: Niels Wilhelm Gade FRA: Felix Mendelssohn Bartholdy (1843-03-02)

Leipzigden 2ten März 1843.

Hochgeehrter Herr!

Gestern in unserm 18ten Abonnements-Concerte wurde Ihre Cmoll Symphonie zum ersten Male aufgeführt, zur lebhaften, ungetheilten Freude des ganzen Publicums, das nach jedem der vier Sätze in den lautesten Applaus ausbrach. Nach dem Scherzo war s. 35 eine wahre Aufregung unter allen Leuten, und der Jubel und das Händeklatschen wollten gar kein Ende nehmen ; — ebenso nach dem Adagio. Ebenso nach dem letzten, — und nach dem ersten — nach allen eben! Die Musiker so einstimmig zu sehen, das Publicum so entzückt, die Aufführung so gelungen — das war mir eine Freude, als hätte ich das Werk selbst gemacht ! Oder noch eine gröszere; denn im eigenen sieht man immer die Fehler und das Nicht-Gelungene am deutlichsten, während ich in Ihrem Werke noch gar nichts empfinde, als Freude über alle herrlichen Schönheiten. Durch den gestrigen Abend haben Sie sich das ganze Leipziger Publicum, das wirklich Musik liebt, zum dauernden Freund gemacht; keiner wird von jetzt an von Ihrem Namen und Ihrem Werke anders als mit der herzlichsten Hochachtung und Liebe sprechen, und jedes Ihrer künftigen Werke wird mit offenen Armen empfangen, sogleich mit der äuszersten Sorgfalt einstudirt und freudig von allen hiesigen Musikfreunden begrüszt werden. „Wer die letzte Hälfte des Scherzo geschrieben hat, das ist ein vortrefflicher Meister und von dem haben wir das Recht die gröszten und herrlichsten Werke zu erwarten“. Das war die allgemeine Stimme gestern Abend auf unserm Orchester, im ganzen Saal — und veränderlich sind wir hier nicht. So haben Sie sich durch Ihr Werk eine grosze Menge Freunde für’s Leben erworben; erfüllen Sie unsere Wünsche und Hoffnungen, indem Sie viele, viele Werke in derselben Art, von derselben s. 36 Schönheit schreiben, und indem Sie unsere geliebte Kunst neu beleben helfen, wozu Ihnen der Himmel alles gegeben hat, was er geben kann.

Wir hatten auszer der Probe, von der ich Ihnen früher geschrieben hatte, noch in den letzten Tagen zwei andre gehabt, und einige kleine, unbedeutende Versehen abgerechnet, ging die Symphonie mit einem Leben und einer Begeisterung, dasz man daraus allein schon sehen konnte, wie entzückt wir Musiker alle davon sind. Ich høre, dasz sie bei Kistner erscheinen wird; erlauben Sie mir auch die Frage, ob die Ueberschrift der ersten Introduction 6/4 Tact, die nachher wiederkehrt, nicht zu Miszverständnissen Anlasz geben könnte? Es steht da, wenn ich nicht irre, Moderato e sostenuto. Sollte statt dieses sostenuto nicht etwa con moto, oder con Molto di moto gestochen werden? Jene Ueberschrift würde (wie mir scheint) zum richtigen Tempo führen, wenn es 6/8 Tact statt 6/4 wäre; aber beim 6/4 ist man so sehr gewohnt die einzelnen Viertel gewichtig oder langsam abzuzählen, dasz ich mir denke, der Satz würde zu langsam gegriffen werden, wie mir es in der ersten Probe begegnete, bis ich mich nicht mehr an die Noten und die Ueberschrift, sondern an den Sinn hielt. Und als so manche Musiker so sehr fest gerade an jenen Ueberschriften kleben, so wollte ich Ihnen wenigstens meine Zweifel in dieser Hinsicht ausgesprochen haben. Haben Sie noch Dank für Ihren lieben Brief, und die freundliche Absicht, die Sie mir darin zu erkennen geben. Haben Sie s. 37 aber noch mehr Dank für die Freude, die Sie mir durch das Werk selbst gemacht haben, und glauben Sie, dasz niemand Ihre Laufbahn mit mehr Theilnahme verfolgen, Ihren ferneren Arbeiten mit mehr Hoffnungen und mit gröszerer Liebe entgegensehen kann als Ihr hochachtungsvoll

ergebener
FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY.

I September 1843, efter erhvervet Rejseunderstøttelse tiltraadte Gade sin Rejse ud i Verden, først til Leipzig, hvor den store Mester ventede ham, og hvor saa megen skjøn Musik skulde oplades for hans lyttende Øren, derfra til Italien, hvor Kunst og Historie, Natur og Folkeliv vilde omgive ham med al sit herlige Trylleri; det var med straalende Glæde, at han saa Livet udbrede sig for sine Øjne, og han var saa ung, sund og lykkelig!

Med Sønnen drog Lyset og Glæden bort fra det lille, tarvelige Hjem i Nygade, Fader og Moder saa deres eneste, højtelskede Barn rejse bort til et fremmed Land, han var deres Ære og Stolthed, men de forstod ikke det Sprog, hans Evner talte i, de fulgte hans Bane i øm Beundring og Gade glemte ikke sine Forældre, men han tilhørte fra nu af for mange til at kunné være „deres egen“.

3