Danmarks Breve

BREV TIL: Niels Wilhelm Gade FRA: Robert Alexander Schumann (1844-12-28)

Her meddeles et Brev fra Schumann.

Lieber Gade!

Erst heute, wie ich meine Musikalien ordne, finde ich Ihr Andenken und die freundlichen Worte darin. In der Unruhe des Umzuges hatte unsere Wirthschafterin von Ihrem Besuch uns zu sagen vergessen. Haben Sie vielen Dank für die Symphonie; ich hab’ sie mit erneuter Freude wieder gelesen, mich herzlich daran gelabt, Sie Drachentödter! Auch von David haben Sie etwas, d. h. dem in der Bibel. Wissen Sie, wie Goethe die Philister definiert:

Was ist ein Philister?
Ein hohler Darm
Von Furcht und Hoffnung angefüllt,
Das Gott erbarm!

Das ist auch eine ausgesuchte Definition: Hier hat man übrigens die besten Exemplare davon unter den Musikern, glaub’ ich. Die fürchten sich alle schrecklich vor einander: Sie sagen sich kein wahres Wort, weil sie keines zu sagen wissen. Gott sei Dank giebt es noch einige gute Ausnahmen! So s. 105 leben wir denn hier ziemlich still, und die Ruhe thut mir gut. Doch hab’ ich in der letzten Zeit wieder Einiges zu arbeiten angefangen; auch Opernpläne beschäftigen mich noch immer. Geht es Ihnen wohl? Denken Sie manchmal an uns? Sie sprachen, dasz Sie Einiges vielleicht aus der Peri geben wollten — dasz würde mich freuen; ich käme dann um zuzuhören. Doch glaubʼ ich ginge ein Theil, sei es nun des 1 oder 2; zu schnell vorüber, da jeder kaum mehr als 20 Minuten dauert. Ich würde für die beiden ersten Theile stimmen; sie füllen gerade die Hälfte eines Concertes. Wollen Sie übrigens meine Orchesterstimmen, so sende ich sie Ihnen.

Auf Ihre Ouvertüre freue ich mich sehr, dasz wäre wieder ein Labsaal nach so vielem Matten und schülerhaften Neuen, was man zu hören bekämmt. Lieber Gade. Sie sind ein ganz trefflicher Poët (ausser dem Drachentüdter) — in den Buchenwäldern sind Sie nicht umsonst promeniert, und am Strand des Meeres!

Nun genug. Gedenken Sie in Freundschaft

Ihres
R. SCHUMANN.

Dresden, den 28de December 1844.