Danmarks Breve

BREV TIL: Clara Josephine Wieck FRA: Niels Wilhelm Gade (1856-01-12)

Til Clara Schumann.
Copenhagen, den 12. Januar 1856.

Hochgeehrte Frau Dr.!

Mit inniger Freude sehe ich aus Ihren lieben Brief, dasz Sie mich zu Ihren Freunden zählen, wie zuvor, — heute sage ich, dasz ich bis jetzt und immerdar, warme und aufrichtige Verehrung und Freundschaft für Sie und Ihren lieben Mann hege; — wir folgen mit warmen Antheil die Nachrichten, die über seinen verhängnissvollen Gesundheitszustand zu uns kommen, und hoffen Alle, dasz Gott es zum Bessern wenden will, — nur „wer den lieben Gott läszt wallten“ hat für sein geängstigtes und trauerndes Herz ein tröstendes Gefühl, das aufrecht hält in allem Kummer und Schmerz.

Wie lieb und erfreulich es auch für mich besonders sein würde, wenn Sie diesen Winter herkämen, rathe ich es doch ab, weil es für Sie viel s. 293 vortheilhafter wäre, wenn Sie vor Weihnachten hier eintreffen könnten und aus folgenden Gründen : 1) Nach Ostern ist zu kurze Zeit, wenn ein frühzeitiger Frühling kommt, zieht Alles aus der Stadt, und obschon Sie noch frisch in der Erinnerung unseres Publikums leben, hilft es doch nichts, — in das Naturconcert geht’s heraus. 2) Könnten Sie in Verbindung mit dem hiesigen Musikverein treten — für diesen Winter ist schon Arrangements getroffen, — dasz Sie drei Mal darin spielten, — da haben Sie den Vortheil, dasz Ihnen wenigstens Ihre Reise hier und Ihr Aufenthalt keine Kosten verursachten, Ihre Concerte unbeschadet. — Der Musikverein ist eine geschlossene Gesellschaft, welche jetzt 1600 Mitglieder zählt, und die musikalische Elite in sich faszt. — Es werden im Laufe des Winters zehn Concerte gegeben, sieben Orchesterconcerte und drei für Kammermusik, wenn Sie denn, nächsten Winter im Monat November oder Anfang December herkämen (die Dampfschiffe gehen bis Neujahr) und dann bis Ende Februar hier bleiben, drei bis vier Mal im Musikverein spielten und eigene Concerte und Soiréen gäben, glaube ich ganz gewisz, dasz es für Sie sehr vortheilhaft sein würde. Ueberlegen Sie dies, liebe Frau Dr. und lassen Sie mir bei Gelegenheit einige Zeilen zukommen, ob Sie Lust hätten, darauf einzugehen, dann wollen wir uns wohl darüber verständigen, ich meine wegen Ihrer Bedingungen hinsichtlich des Musikvereins. — Wir haben vorigen Winter „Paradies und Peri“ zweimal aufgeführt im s. 294 Vereine, ich wollte damals schon an Sie schreiben, aber die Krankheit meiner lieben Frau verhinderte es.

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Die erste Sinfonie in B. haben wir auch gemacht, sowie das kleine Gesangstück: „Zigeunerleben“ von mir instrumentirt, das Quintett in Es u. s. w. Diesen Winter ist die kleine Sinfonie in D. auf dem Programm, wir haben die neunte von Beethoven vor, welche zum ersten Male ganz aufgeführt wird; Sie sehen also, dasz wir nach Vermögen vorwärts streben. Kommen Sie doch, liebe Freundin, zu uns, Ende dieses Jahres, wir wollen es Ihnen so gut einrichten, wie wir es nur können ; — Gott gebe uns Allen ein gutes neues Jahr, Gesunde und Kranke, Grosze und Kleine. Ein herzliches Lebewohl wünscht

NIELS W. GADE.