Danmarks Breve

BREV TIL: Niels Wilhelm Gade FRA: Joseph Joachim (1857?)

(1857?)

Lieber und verehrter Gade!

Sie müssen dies mal wirklich Nachsicht üben d. h. ich verdiene sie; ich habe eben den Trouble das Wohnung suchen und Umzugs überstanden; nun werden Sie aus Ihrer Junggesellen-Zeit noch wissen was das für einen solchen zu sagen hat! Noch vor wenig Tagen dachte ich in wärmster Erinnerung Ihrer, und unserer Leipziger Erlebnisse; wir spielten nämlich hier zum ersten Mal Ihre 4te Sinfonie (in s. 295 einer vorbereitende Probe für neue Sachen zu den Winter-Concerten). Wie schöne, künstlerische Klänge sind das! Ich war ganz stolz zu denken, dasz Ihre neueste Sinfonie mir gehört, wie ich übrigens zufällig neulich in einer Musikalienhandlung sah. Einen so doppelt zu überraschen! Lieber Freund, Sie wissen nicht, wie sehr es mich beglückt, dasz Sie mir so treu Ihre freundschaftliche Zuneigung bewahren, obwohl nun so viele Jahre, Meilen und Erlebnisse zwischen der Leipziger Zeit und jetzt liegen; das läszt auf künstlerische Verwandschaft schlieszen! , Um nun auf Ihre Aufforderung zu kommen, einige Wochen in Kopenhagen zu verbringen, so kann ich nur sagen, ich habe die gröszte Lust — aber vor der Hand sehe ich wirklich nicht, wie es in diesem Jahre zu machen wäre. November soll ich (mit Frau Schumann) in Wien concertiren; im December fangen hier die 8 Concerte an (aller 14 Tage eins) die ich zu dirigeren habe; das dauert bis in den März. Nun ist’s zu spät! — — — — — — — —; kann ich es einrichten, so frage ich nochmals bei Ihnen an. Und nun wünsche ich Ihnen alle musikalische Freude und häuslich Glück für diesen Winter, und uns recht viel neue Sachen von Ihnen, verehrter Freund!

Ihr
JOSEPH JOACHIM.

Eine freundliche Grusz an Tofte.

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