Danmarks Breve

BREV TIL: Niels Wilhelm Gade FRA: Joseph Joachim (1843-10-13/1890-10-13)

Düsseldorf, den 13ten October.

Lieber, verehrter Freund!

Ihr Vorschlag ist gewisz einer der anziehendsten, die mir je gemacht worden sind: nur gute Musik spielen und hören, eine neue interessante Stadt, von Thorwaldsen geschmückt, kennen lernen, vor allen Dingen aber mit Ihnen wieder verkehren sollen, wie in alter schöner Leipziger Weise, das alles sind gar s. 306 lockende Dinge! Und darauf musz ich mich nun entschlieszen mit „Nein“ zu antworten — es wird mir sehr schwer, aber:

Die Verhältnisse in Hannover sind schlieszlich so geworden, dasz ich während der Concert-Zeit, also vom December bis April dort zubringen musz. Ich hatte angeboten, um den gnädigen Willen des Königs von H. meinen guten wenigstens entgegen zu bringen, die Concerte beizubehalten, und man hat es angenommen. So musz ich schon bis auf später die Freude hinausschieben, Sie, lieber und verehrter Gade, mitten in Ihrem Wirken zu sehen Dasz ich bis jetzt, Alles was Sie berührt mit innigster Theilnahme verfolgt habe, daran zweifelten Sie, hoffe ich nie. Sie waren mir früh ein gütig, freundlich Vorbild, und ich denke, es sollen noch Tage kommen, in denen wir das lebendig nebeneinander empfinden.

In diesem Monate werden Variationen für Bratsche und Klavier von mir erscheinen; die schicke ich Ihnen und schreibe dann dabei, heute nur, dasz ich leider nicht kommen kann!

Der Ihrige
JOSEPH JOACHIM.