Danmarks Breve

BREV TIL: Niels Wilhelm Gade FRA: Joseph Joachim (1880-12-24/1881-03)

(1880.)

Mein lieber und verehrter Gade!

Verzeihe wenn ich Dir bis jetzt noch nicht für die sehr grosze Freude gedankt habe, die mir die Uebersendung Deines Violin-Concertes bereitet hat. Es kam gerade noch, Weihnachten an! Ich finde es ganz ausgezeichnet für die Violine gedacht; es spielt sich alles echt, für das Instrument erfunden — und es musz sehr wirkungsvoll sein, da das Orchester bei aller charakteristischen Färbung nirgends deckt, so dasz die schönen Melodien zu ihrem vollen Recht kommen. Die Violinspieler werden Dir für diese Bereicherung ihres Repertoires alle danken! Nun bin ich aber ungeduldig das Stück mit Orchester zu hören und bitte deshalb um die Erlaubnisz die Stimmen ausschreiben zu lassen. Willst Du, lieber Freund, mir diese recht bald, womöglich umgehend schicken? Oder hast Du die Stimmen vielleicht schon copiren lassen? Ich hoffe ehestens darüber Aufklärung; auch ob Du mir erlaubst es hier oder anderswo öffentlich zu spielen. Am liebsten wäre mir freilich Kopenhagen; aber daran darf ich leider nicht denken, da mich meine englische Reise nicht dazu kommen läszt. Kommst Du nicht bald einmal zu uns? Auf irgend eine Weise musz ich Dir Dein Werk einmal Vorspielen; ich freue mich so sehr dies zu thun. Grüsze, ich bitte, die lieben Deinigen vielmale von mir, und nehmet meine herzlichsten Wünsche zum Jahre 1881. Aufrichtigst ergeben der deinige

JOSEPH JOACHIM.