Danmarks Breve

BREV TIL: Clara Josephine Wieck FRA: Niels Wilhelm Gade (1887-08-12)

Til Fru Schumann.
Fredensborg, den 12. August 1887.

Hochgeehrte Freundin
Frau Br. Schumann!

Unter hohen, schönen Buchen, im hellen und fröhlichem Sonnenschein, sitze ich jetzt und denke an liebe und gute Freunde, die mir die Vorsehung geschenkt hat. — In erster Reihe tritt dann die Freunde von meiner Jugendzeit hervor, und unter diesen erlaube ich mir Sie, liebe Frau Schumann, als eine der ersten zu rechnen, — unsere erste Bekanntschaft schreibt sich von Ihren Aufenthalt in Copenhagen, und dies leitete zu dem Zusammenleben in Leipzig mit Schumann und Mendelssohn, eine für mich glückliche Zeit.

Meinen herzlichsten Dank für Ihren Glückwunsch zu meinem Geburtstag, er war mir, unter den vielen, unendlich lieb.

Ich sende hiemit ein Portrait, dasz jetzt genommen ist, und das sehr ähnlich sein soll. Bitte, es in ihrem Album einen Platz zu schenken. —

Ich bin jetzt beschäftigt mit Vorbereitungen zur Aufführung des „Manfred“ im October in Musikverein; die Musik hat was bezauberndes und macht einen tiefen Eindruck. Die Ouverture habe ich schon früher gemacht, aber ich habe mir die ganze Musik aufgespart bis jetzt, — aber dann habe ich leider! sehr wenig zurück von Schumann. — Man musz s. 329 ein wenig geizig sein, denn die Production der Jetztzeit — betreffend gröszere Gesangcompositionen — ist nicht überreich.

Vorigen Winter hatte ich eine sehr geglückte und poetische Aufführung von „Peri“ ; ja, wir spielen sehr viel vom lieben Schumann.

Von Brahms habe ich öfters Fdur Sinfonie und Ouverturen gemacht. Hier ist jetzt ein reges Musikleben, es gilt nur doch, dasz das Schöne immer über den Effect die Oberhand behält.

Nochmals meinen herzlichsten Dank für Ihre freundliche Gesinnung, und bitte ferner mich in Erinnerung zu behalten. Meine Frau und übrige Familie sendet die besten Grüsze. Lebe wohl!

Ihr ergebener

NIELS W. GADE.