Danmarks Breve

BREV TIL: Clara Josephine Wieck FRA: Niels Wilhelm Gade (1887-10-30)

Til Fru Schumann.
Copenhagen, den 30. October 1887.

Liebe und verehrte Frau Dr. Schumann!

Es freut mich Ihnen mittheilen zu können, dasz wir in Musikverein (am 27. u. 29.) zwei Aufführungen von Schumanns „Manfred-Musik“ gehabt haben.

Die Musik hat einen tief ergreifenden Eindruck auf alle gemacht, in vielen Augen sah’ ich Thränen, und überall sprach man von die herrliche und tiefe Wirkung dieses Werkes. — Ich hatte nur einen Sprecher, und einen sehr guten und sehr gebildeten, mit einem sonoren und schönen Organ. Auch habe ich die Musikstücke etwas anders eingetheilt, als in der Partitur steht, indem ich Alles zusammengestellt habe, was zusammenhört.

Wir haben eine sehr schöne dänische Uebersetzung, die ich benützt habe zu den Gesangstücken; für den Sprecher habe ich ein — zum Theil nach Byrons Text — selbständiges neues Gedicht machen lassen von einem hiesigen Dichter, und es war sehr geschmackvoll und gelungen. Es setzte die Zuhörer in der rechten Stimmung für die Musikstücke, und erklärte zugleich die dramatische Handlung und den Inhalt von Byrons Dichtung. — Was die musikalische Aufführung betrifft, glaube ich es eine wohlgelungene nennen zu dürfen. Wenigstens habe ich mein Möglichstes gethan, die Begeisterung, Hingebung und Wärme, die ich selbst für das Werk habe, meinen Unterthanen mitzutheilen, — und dasz dies mir geglückt s. 332 ist, sehe ich in der groszen Wirkung, die Orchester, Sprecher, Sänger und Chor auf 2600 Zuhörer hervorgebracht haben.

Nach „Manfred“ folgten zwei Stücke von Mozart (kleiner Chor und Sologesang) und Beethovens Esdur Concert sehr vollkommen und künstlerisch ausgeführt von Erika Lie. — Es war zwei schöne Abende, und ich musz in der ersten Hitze Ihnen meine Freude mittheilen, Sie sind ja die nächste diese Freude zu theilen.

Herzlichen Gruss von uns Allen.

NIELS W. GADE.