Danmarks Breve

BREV TIL: Joachim ˜vonœ Ahlefeld FRA: Arní Magnússon (1704-09-25)

ARNE MAGNUSSON TIL GEHEJMERÅD [J.] AHLEFELDT. Kirkebæ-kloster25. sept. 1704.

Overskrift »Copie af mit Bref til Geheime Raad Ahlefeld af dato Kirkebaj-Closter d. 25. Septembri 1704«. Skriverhånd med A. M.s egenhændige rettelser. Trykt efter Rigsarkivets Grønland nr. 9, et eksemplar som egenlig hører hjemme i den Arnamagnæanske samling, nr. 775, 4to. Sammesteds findes A. M.s egenhændige (første) redaktion af samme skrivelse, som dog kun i enkelte vendinger og former, samt ortografiske småting afviger fra den her meddelte tekst.

Hoch Edler Wolgebohrner Herr.

Ihre Excellencen wollen nicht ungnädig auffnemen, daß ich Dero vielfältige geschäfften mit dießem meinen unterthänigen schreiben interrumpire, welches daher rührt, daß, weil ich auß Ihrer Majest. an meinen Collegam und mich heüre allergnädigst ergangenem Brieffe, wie auch von denen hieher gebrachten relationen erfahre, daß Ihre Excellencen das Gouvernement der Königlichen Rent-Cammer in die hände bekommen haben, so s. 3 außfordert an ersten meine Schuldigkeit, daß Ihren Excellencen ich zu der hohen charge gratulire, wie ich auch hiemit unterthänig gratulire, und vom grunde meines Hertzen erwünsche, daß Gott Ihre Excellencen bey dießer und andern vorhabenden wichtigen affairen in viele Jahren Conserviren wolle, Ihr. Majesteten und dem Lande zum nutzen, und Ihr. Excellencen zu unsterblichen ruhm und löblicher nachrede. Hienächst werde ich zu diesem unterthänigen schreiben durch meine eigene notdürfft getrieben, sintemahl Ihre Majesteten mir die gegenwärtige Isländische Commission eines theils anbefohlen hat, und ich also Ihrer Excellencen gnade und Hülffe nicht entseyn kan, im fall entweder in denen durch meinen Collegam und mich eingeschickten allerunterthänigsten relationen oder anderwo in unsern Verrichtungen einige fehler sich befinden möchten, sondern unterthänig bitten muß, daß Ihre Excellencen solche, durch unwißenheit oder Verhinderungen, nicht aber durch untreüe oder nachläßigkeit verursachte fauten, so viel als schehen kan, in gnade excusiren wollen. Im übrigen habe von dem Hrn. Amtmanne Müllern vernommen, daß Ihre Majesteten im sinne hätten das alte verlohrne Grönland wiederumb auffsuchen zu laßen, und daß Ihre Excellencen zu dem ende, alle gewiße nachrichten von demselbigen lande zusammen suchen ließen. Daher habe mir die unterthänige freyheit genommen, daßienige hiebey zu fügen, was ich ietzo weit von Büchern entfernet, erinnern kan, von demjenigen, so ich von gedachter materie gelesen habe, und verhoffe daß Ihre Excellencen in gnade annemen werden, was ich aus unterthänigem willen her vor bringe. So ist denn das alte Grönland (wie schon bekannt) gelegen Ostwerts an der großen See oder Meerbusem, deßen anßlauff Fretum Davis genennet wird, und ist dießes Land in zwei theile so Ost-wohnung und Westwohnung genamset (sål. også A. M.), verschieden gewesen. Die Ostwohnung ist gelegen an der seite so sich nach Iisland kehrt, die West-wohnung aber näher an dem Freto Davis. Städte sind daselbst nimmer gewesen, sondern die Leüte haben da, wie hier im Lande, Ihre Wohnungen weit von hin (sål. også A.M.) andern gesetzt, an denen kleinen meerbusen, wo die felsen und Schnee Bergen nicht sind im wege gelegen, und sind in der Ostwohnung nur 12 Kirken gewesen, und in der Westwohnung nicht mehr als 4, worauß man schließen kan, daß das Land nimmer Volkreich gewesen seye. Ist also alles, was in denen gemeinen Geographischen Büchern erzehlet wird, von Städten daselbst, oder so genannten zweien Clöstern, Alba und S. Thomas, gewißlich s. 4 ohne Wahrheit, Eben so was einige von daselbst vermutheten reichen Goldgruben fürgeben. Die alten Ißländer, so dahin fast jährlich geschiffet haben, reden von keinen andern Grönländischen wahren als Seehundfellen und Roßmar Zähnen, und ist die navigation dahin, von der ersten Bewohnung des Landes ab, sehr gefährlich gewesen, und befindets sich in unsern alten annalen, daß einige schiffe von Norwegen oder Island haben daselbst 3. und mehr wintern müßen liegend bleiben, ohne Zweiffel wegen der großen geschwimmenden eißschollen, so an denen uffern des landes vermuthlich gelegen, und also die Schiffart verhindert haben. Umbs Jahr Christi 1400. und einige darnach, ist die schiffart dahin also ungemein geworden, daß man fast keine Zeitungen daher nach Norwegen hat bekommen können, weßwegen auch der Ertzbischoff in Drontheim einen zum Bischoff geweihet hat, und dahin geschickt, im fall der vorige (von dem man eine geraume Zeit keine nachrichten gehabt hatte) todes verblichen wäre, und dieser ist der letzte würckliche Bischoff daselbst gewesen. Die man darnach in denen Historien findet, sind titulares gewesen und anderer Bischöffen suffraganei. Sonst ist das Grönlandische Bischoffthum sehr schlecht gewesen, also daß einige von denen dasigen Bischöffen ohne uhrlaub wieder davon gereist sind, und haben lieber anderswo armuth außstehen wollen, als länger da zu verharren. Endlich ist die Schifffahrt dahin gantz untergegangen umbs Jahr Christi 1412. oder 16. (wo ich mich in denen Jahren nich[t] irre) und hat man seit der Zeit gantz keine nachrichten von der Isländischen Colonie, so spät im 10den Seculo sich dahin begeben. Auß einem daher kurtz vor dem untergange der Schifffahrt geschichtem Brieffe, ist abzunehmen, daß die einwohner damahls von einigen wilden Leüten incommodirt geworden sind, welche ohne Zweiffel Americanen gewesen, so darnach bey unserer Vätern Zeiten am Freto Davis von Seefahrenden Leüten sind gesehen worden. Sind also vermuthlich die alten einwohner entweder mit diesen Americanen mit der Zeit vermischet geworden, oder auch (welches mehr zu glauben) von Ihnen überhäuffet und todte geschlagen. Etwa um 100. Jahren darnach ist dem Ertzbischoffe in Drontheim Erico Walckendorff die lust angekommen, dieses verlohrne land wieder auffsuchen zu laßen, und habe ich unter meinen in Copenhagen hinterlaßenen geringen sachen, eine instruction, so er seinen Seeleüten hat mit geben wollen. Es ist aber auß dießem Vorhaben nichts geworden, weil gedachter Ertz Bischoff wegen der troublen so bey Christiani II. Zeiten in Norwegen einfielen, das Ertz s. 5 Bischoffthum und Land verlaßen muste, und darnach anno 152: von der Welt abscheid nam. Von der Zeit ab ist, meines wißens, bey der Grönländischen sache nichts gethan, biß zum Jahre 1600. ongefehr, da König Christianus IV. einen bey nahme Götsche Lindenawen da hin geschickt hat, deßen reiße in Lyschandri Grönländischem chronico (futili aliàs et erroribus scatente libello) zu lesen ist. Kurtz darnach ist Capitain Jens Munck da hin gesegelt, deßen reise man accuratè beschrieben und gedruckt hat so wol in Teutscher als Dänischer sprache, und ist derselbige Munck am allerlängsten in die große See, so ihren außlauff durch Fretum Davis hat, eingekommen. In denen Jahren 1652. 53. 54. ist David Dannell zu gedachtem Grönlande gereist, deßen Handgeschriebene Journalen ich bey dem Hrn. Amtmanne Müllern gesehen habe. Im Jahre 1669 oder 1670 (wo ferne die mir gethane relation nicht fehlet) ist Otte Axelsen, ein Dänisker (-scher A. M.) Capitain, auch dahin gereist, von deßen reiße man aber vermuthlich keine nachrichten hat, maßen er unweit von Ißlande mit dem schiffe und einhabenden leüten ins meer soll gesunken seyn. Über dießes hat Isaacus Peyrerius (pater ille præ-Adamitarum) ein gantzes Buch vom Grönlande geschrieben, so in 8 vo ohne des authoris namen zu Paris gedruckt ist, untern titul: Relation du Gronland, welches Buch der Hamburgische Professor Henrich Siwers ins Teütsche translatiret hat, und in 4to drucken laßen. Noch hat einer S. von V. eine Grönländische Beschreibung anno Christi 167: zu Nürnberg in 4to außgegeben. Auch wird viel von Grönlande geredet in der sogenannten Vorstellung des Nordens so man in Teütscher sprache gedruckt hat. Es ist aber bey diesen 4en Tractaten zu observiren, daß vielfältige dinge darinne anders beschrieben, als sie an ihnen selbst sind. Gleicher maßen sind in des vor einigen Jahren verstorbenen Pastoris Schacthii Grönlandischer Beschreibung (so ich bey dem Hrn. Justitz Rath Johannes Mothen geschrieben gesehen habe) die sachen fast ohne unterschied eingeführte, also daß man eine gute erfahrung besitzen muß, wo man das Unrechte von dem rechten gut distinguiren sol. Arngrimi Jonæ Gronlandia Manuscripta, so in denen publiqven Copenhagenischen bibliotheqven sich befindet, begrifft am meisten purè historica. In denen Actis Medicis Hafniensibus hat man ein lexicon Gronlandicum, so (woferne ich mich nicht unrecht erinnere) theils Conform ist mit der Antillischen sprache wovon Rochefort schreibt in seiner histoire des Isles d’Antilles. Letztlich ist vom gedachtem alten Grönlande wehrt zu lesen was s. 6 Peter Claußon in seiner Norwegischen Beschreibung (gedr. zu Copenhagen 163: in 4to) davon schreibt. Was nun bey diesem Grönlande zu holen seyn solte, würde vielleicht die Zeit entdecken, ich könte mir aber nicht vorhin einbilden, daß es viel wäre, sintemahl unßere Ißländische nachrichten nicht anders davon reden, als von einem elenden und sehr rauchem lande, so viel schlechter als Ißland seye. Solte man aber dahin wollen, so findet man in unsern alten Büchern, daß der Cours dahin seyn solle, gerade west an von dem Isländischen Schnee Berge Snæfelds Jökel. Und wird es denn ongefer an 65. graden situirt seyn. Unsere alte nachrichten reden sonst von einem lande ienseit Freto Davis, oder noch weiter hin nacher America, so darinn Weinlandt genennet wird, und wie ein schön Land beschrieben, in welchem Lande die alten Grönländer auch einige öerhter sollen occupirt haben, dieselbe aber wegen einiger wilden leüte anfalles gleich wiederumb verlaßen müßen, aber dieße Weinländische relationen sind mit so vielen fabuleusen umbständen erfüllet, daß man die Hauptsache dadurch bald in Zweiffel ziehen könte.

Dieses ist, was mir itzo von ermeldter Grönländischen sache unter andern geschäfften, und in enger Zeit beyfallen wil. Ihre Excellencen wollen meinen unterthänigen willen in gnade ansehen, und im übrigen mir die unterste stelle unter Dero Clienten vergönnen. Gott erhalte Ihre Excellencen bey langem leben, guter gesundheit und stetzwärendem wohl-ergehen, das erwünschet von Hertzen

Ihr. Excellencen Unterthäniger Dienstergebener Knecht

Arnas Magnussen.