Danmarks Breve

BREV TIL: Hans Christian Ørsted FRA: Johan Georg Forchhammer (1820-10-23)

Til Samme.
Londonden 23Sten October 1820.

Seit langer Zeit bin ich Ihnen einen Brief schuldig, lieber Herr Professor, und habe seit meiner Zurückkunft nach London jeden Posttag mich zum Schreiben angeschickt, allein noch bin ich stets abgehalten.

Nun mut ich Ihnen meine Freude über die Versuche mit der Magnetnadel mittheilen und über die herrliche Entdeckungen, wozu sie geführt haben, und über die, wozu sie führen werden. Durch meine eigne Schuld bekam ich Ihren Brief erst nach meiner Rückkehr in London, da er nach Edinburgh und wieder zurückgeschickt worden war, allein ich hatte Ihren Aufsa schon bei Prof. Thomson in Glasgow gelesen. Lassen Sie mich ja bald mehr davon hören. Vor einigen Tagen hörte ich von Dr. Wollaston, dat Bariet bei seiner Anwesenheit in Genf Ihre Versuche wiederholt und bestätigt habe, doch das wird Ihnen schon bekannt sein. Dr. Wollaston war höchlich erfreut über die Entdeckung und von der Wichtigkeit derselben durchdrungen, und da sein Wort in allen Sachen der Art ein Orakel ist, und er sehr selten seine Anerkennung eines Verdienstes ausspricht, so darf ich sagen, es ist überall in England anerkannt.

Ehe ich Ihnen von meinen ferneren Reisen erzähle, mut ich mir Ihre Erlaubnit ausbitten Sie bei der Frau Ørsted zu verklagen, dat ich so wenig von Ihnen erfahre. Seit ich in England bin, habe ich, glaube ich 4 Briefe von Ihnen erhalten, wovon der erste anderthalb Seiten lang war, die drei andern aber nicht 12 Reihen überstiegen, und ich weit daher sehr wenig von Ihnen. Meinen letten Brief aus Liverpool haben Sie wie ich sehe erhalten, und seit der Zeit habe ich s. 341 stets mich auf Reisen befunden, so dat ich wenig Zeit für mich gehabt habe. Von Liverpool ging ich nach den Eisenminen von Ulverstone (dies sind die einzigen in England und Schottland die nicht Kohleneisenstein sind, nichts destoweniger derselben Formation angehören), von Ulverstone nach Lancaster, dann nach Kendal, von dort nach den Seen und Gebirgen in Cumberland und Westmoreland. Diese Reise war ganz geognostisch, allein ich lernte ungemein viel dort. Ich besuchte die Graphitminen von Borrowdale. Hier wurde ich zuerst auf ein ganz merkwürdiges Faktum aufmerksam, dat nachher in Sohottland . ganz klar erscheint, dat nehmlich alle Gebirge im Westen der Insel sich gleich zu Trap ausbilden. Hier erscheinen die Urund Uebergangsgebirge immerfort von neuem unter der Form von Trap. In diesem Trap, der sich aus den Urthonschiefer entwickelt, liegen die Borrowdaler Graphitwerke, die reichsten die existiren.

Hier fand ich ein Uebergangsgestein, das zwischen Granit und Sienit in der Mitte steht. Von hier ging ich nach Carlisle und nach Edinburgh, wo ich 3 Tage lang mit Professor Jameson die dortigen Trapberge durchstrich. Dann besuchte ich die Carron Eisenwerke und ging nach Glasgow. In Glasgow liet ich meinen Koffer, ging auf dem Dampfboote nach Jnverary, eine der schönsten Touren die ich in meinem Leben gemacht habe. Bon Jnverary wanderte ich nach Oban, ging dann nach der Insel Kerrera. Mull, Ulva, Staffa. dann zurück durch einen Theil von Dumbartonshire, Pertshire nach Glasgow. Eine Tour von ungefähr 200 englischen Meilen, die ich zu Fut und stets allein machte. Ich darf nicht darauf anfangen Ihnen etwas von dieser Reise zu erzählen, die obgleich das Wetter ungünstig war, dennoch stets zu meinen angenehmsten Erinnerungen gehören wird.

s. 342 Meine Rücksicht bei derselben war besonders das Studium des Traps, und ich gestehe, dat das Resultat mich ungemein überrascht hat. Ich habe mich überzeugt, dat es da wenigstens 5 verschiedene Formationen von Trap giebt, dat jede dieser Formationen eine doppelte Richtung der Ausbildung hat, dat Werners Flötrap, Bildungen ans allen diesen Formationen enthält, dat es nur eine einzige Stelle giebt, wo ausgemachter jüngster Flötrap vorkömmt, nehmlich die Küste von Antrim in Irland mit den Giants-Causeway, dat wahrscheinlich anf Færöe und Island alle verschiedenen Arten von Trap mit einander Vorkommen. Staffa und Mull, davon habe ich mich fest überzeugt, sind Uebergangstrap und nicht jüngster Flötrap. Meine nächste Sorge war dahin gerichtet Merkmale im Trap in seiner Natur und in der der darin enthaltenen Mineralien zu finden, die mich in den Stand seten konnten, dann, wenn geognostische Kennzeichen fehlten, seine Natur und sein Alter zu bestimmen, und ich glaube einen groten Theil der Schwierigkeiten überwunden zu haben, wenn ich auch nicht zum Ziel kam. Ich erwartete in Schottland die berühmte Kohle der Flötrapformation zu finden, fand aber nichts als Trap der Kohlenformation. Es existirt nur ein Beispiel von Kohle in Schottland auter der wahren Kohlenformation, nehmlich Kohle die dem Muschelkalkstein angehört, und die zwischen Basalt liegt, wozu wahrscheinlich die Färöische Kohle und die vom Meitner in Hessen gehört. Es ist unläugbar, dat der Trap ein höheres chemisches Leben an den Punkten, wo er sich findet, anzeigt, in ihm liegt wahrscheinlich ein Schlüssel zur Geschichte der Erde; allein Sie können denken, dat alle Theorien sehr schwankend sein müssen, so lange man noch Trap, der so alt ist als Gneut, mit Trap, der jünger ist als die Kreide, oder gar mit feuerspeienden Bergen verwechselt. Ich möchte ungemein s. 343 gerne mit dieser Ansicht die Förden und Island untersuchen. Meine Geognosie hat mir fast allen Plat genommen, sie werden daher entschuldigen, wenn ich jeden Raum, den ich nur finden kann, beschreibe. Die chemischen Fabriken in Glasgow sind äuterst interessant. Tennants Schwefelsaureund Bleichsalz-Fabrik, die täglich 6000 Pfund concentrate Schwefelsäure macht und 5000 davon zur Bereitung des Bleichsalzes anwendet, ist wahrscheinlich das grötte Werk der Art. Mac Jntosh's Fabrik von Essig, besonders die Destillation desselben durch Dampf von 4 Atmosphären, der durch den Kessel in Röhren geleitet wird, ist höchst interessant. In den englischen Alaunwerken gebraucht man dieselbe Art des Kochens, und wendet dann natürlich keine Bleigefäte, sondern Steintröge zum Kochen an. Dies thut man in England, wo das Blei so enorm häufig und wohlfeil ist. Die Anwendung der Bramahschen Presse in allen Manufakturen ist ganz allgemein. Man gebraucht sie zum Trocknen des baumwollenen Zeuges, aus dem durch den starken Druck alles Wasser geprett wird.

Kann ich meinen Aufsa *) für die Gesellschaft der Wissenschaften bis zu der Zeit vollenden, dann werde ich ihn mitschicken, allein ich zweifle; er macht mir mehr zu thun, als ich erwartete. Herzliche Grute an die Frau Ørsted und die Kinder und an den Justirath Esmarch, an den ich mit nächster Post schreibe. Leben Sie recht sehr wohl.

Ihr
G. Forchhammer **) .