Danmarks Breve

BREV TIL: Johan Georg Forchhammer FRA: Hans Christian Ørsted (1820-11-21)

Til G. Forchhammer.
Kopenhagenden 21sten November 1820.

Ganz Unrecht haben Sie wohl nicht, wenn Sie sich über die Kürze meiner Briefe beklagen; zu meiner Entschuldigung könnte ich aber doch Manches anführen: vors erste, dat ich überhaupt wortkarg im Schreiben bin, ohnerachtet ich es im Sprechen niemals gewesen: zweitens weil ich gern das Brief s. 345 schreiben bis auf den leten Tag verschiebe, und dann oft gehindert werde lange Zeit darauf zu verwenden: drittens, weil ich gewöhnlich das Geldgeschäft, womit die Briefe meistens vergesellschaftet sind, erst an dem Posttage abschliete, und erst den Brief anfange, wenn dieses in Ordnung ist. Heute habe ich es doch in leterer Rücksicht besser eingerichtet, es wird sich nun zeigen, ob die zufälligen Hindernisse mir nicht zu arg in die Quere kommen werden. Den Wechsel, den Sie heute erhalten, würde ich Ihnen schon mit der vorigen Post geschickt haben, wenn ich nicht gewutt, dat Esmarch Ihnen einen kleinen Wechsel schickte. Den Belauf dieses Wechsels habe ich mit 150 Species bezahlt. Eilen Sie ja, um mehr anzusuchen. Dat ich bei dieser Gelegenheit das Meinige thun werde, hoffe ich, dat Sie nicht bezweifeln werden. Es ist mir in diesen Tagen ein dreister Gedanke eingefallen, in Rücksicht Ihrer. Der Münzdirector Warberg ist krank und wird vielleicht nicht wieder genesen. Wie! wenn man einen Versuch machte Ihnen diesen Posten zu verschaffen? Möchten Sie diesen Posten? er ist ansehnlich und einbringend genug, aber ob er einerseits Ihrem Geschmack anspricht, anderseits zu haben sein wird, ist Frage. Die eine wünschte ich von Ihnen beantwortet. Ich habe Esmarch auf diesen Gedanken aufmerksam gemacht, und er gefiel ihm sehr, und wurde von ihm nicht für unausführbar gehalten.

Zu Ihrer Reise nach Färöe wünsche ich Ihnen Glück. Ich möchte gern mitgehen, nicht um zu entdecken, sondern um zu lernen. Ich stelle mir aber vor, dat Sie dorten wichtige Entdeckungen machen werden.

Von den Annals of nat. philos, habe ich nur die 5 ersten Hefte für 1819, und bin sehr begierig auf die vielen Hefte, welche seitdem herausgekommen sein müssen.

II.

2

s. 346 Von Ampères electromagnetischer Abhandlung habe ich nur die Resultate gesehen, aber auf eine solche Art ausgedrückt, dat ich davon keine recht deutliche Vorstellung habe. Sie werden mir einen Dienst beweisen, wenn Sie mir alles Bemerkungswerthe, was Ihnen von dieser Sache vorkommt, mittheilen wollen. Selbst habe ich seit meiner leten Mittheilung au die Annals of nat. philos, nichts Neues entdeckt. Meine überhäuften Geschäfte sind nicht ohne Antheil hieran. Neuerlich bin ich auch Decanus der Phil. Facultät für das künftige Jahr geworden, was auch Zeit wegnimmt.

Habe ich die Zeitungen recht verstanden, so ist der Dr. Wollaston jet Præsident der Royal Society. Glauben Sie, dat es ihm einiges Vergnügen machen würde Mitglied unserer Königl. Gesellschaft zu werden?

Meine Frau und Kinder befinden sich, Gott sei gelobt, wohl. Von meiner Frau habe ich auch die herzlichste Grüte an Sie:

Indem ich daran bin zu schlieten, fallen mir doch einige Neuigkeiten ein, die ich Ihnen erzählen mut. Der König hat 1500 Rbthl. jährlich zu einem Uebungslaboratorium ausgeset. Es fängt in diesen Tagen an. Es ist kein Gehülfe dabei angeset, ich habe aber die Erlaubnit einen nach Gutdünken anzunehmen. Gegenwärtig hat der Dr. Zeise dieses Geschäft. Hätten wir eine école polytechnique erhalten, würden Sie, wie Sie wohl wissen, eine Hauptrolle dabei gespielt haben. Auch der Dr. Zeise hat nur diesen Posten, der durchaus privat ist, in Hoffnung besserer Aussichten angenommen. Er hat Hoffnung nach Soröe zu kommen, wo die Akademie quasi erneuert werden wird.

Aus den Zeitungen werden Sie sehen, dat ein Dr. Dampe s. 347 wegen einer aufrührerischen Unternehmung verhaftet worden ist. Es wird Sie vielleicht interessiren zu erfahren, dat diese Unternehmung durchaus unbedeutend, und nicht der Rede werth war, nur der böse Wille des Mannes ist in den gefundenen Papieren so deutlich, dat man ihm nach den Geseen leicht den Kopf nehmen könnte. Der Dr. Dampe war immer bekannt als ein Mann von Wi, aber ohne Urtheilskraft und boshaft.

Ich mut endlich einmal schlieten. Empfangen Sie die Versicherung meiner fortgeseten Freundschaft und Hochachtung.

Ihr
H. C. Ørsted.