Danmarks Breve

BREV TIL: Jakob Peter Mynster FRA: Claus Harms (1825-09-08)

Fra Harms.
Kiel, 8. Sept. 1825.

Mein sehr werther Freund, *)

denn so darf es heiten wie nach Worten beym Abschied gesprochen, so nach Empsindungen für Sie, welche während der Stunden Ihres Besuchs in mir hervorgebracht, genauer gesprochen verstärkt worden sind. Nun aber brauchen Freunde sich nicht eben zu schreiben, und wir haben beyde wol unsre wenigen Correspondenz-Stunden gedrängt genug bese$$*t; indet ich habe meinestheils durch diese Zeilen mich bey Ihnen etwas länger bewahren wollen, wozu ich auch brauche, was hiebey folget, die Kleinigkeit. Und laten Sie mich meine Absicht erreichen.

„Und wenn wir auch von einander ein hartes Wort gesprochen haben", äuterten Sie im Weggehn. Mein Gedanke sagte bey mir dazu: du doch niemals von ihm, hat er vielleicht von dir? Sonderbar, Tags darnach werden mir von der Buch-Handlung s. 110 Ihre „theol. Schriften" zugeschickt, die ich denn auch gleich zum Behalten zurücklegte und noch eher als der Buchbinder darin las. Freylich da fand ich bald in dem Aufsa$$*e, der natürlich meine Aufmerksamkeit am meisten an sich zog, was gewit Sie gemeint hatten. *) Nun, sanft ist es nicht, aber — hart, nein, lieber Freund! hart und sanft sind ja relative Begriffe; was Andern hart ist, halte ich noch nicht dafür, wenn mir es zum Anfaten geboten wird, — ich will es nicht hart nennen. Allein, was säh' ich lieber, als dat man sich über Glauben und Vernunft verständigte? wozu es aber ganz gewit niemalen kommen wird, und keineswegs geh' ich darauf aus, mit Ihnen mich darüber zu verständigen und zu vereinbaren, mit Ihnen, der doch so nahe, wie unter Tausend nicht Einer, derjenigen Ansicht kommt, welche ich meine nenne. Aber da ich eben ein Neues von mir aus dem Druck bekommen habe (es sind nur 12 Expl. besonders abgedruckt, aus dem „Journal für Prediger" von Bretschneider usw.), so habe ich Ihnen das mittheilen wollen. — Nein, ich kann nicht davon laten, dat uns auch „der Sinn", und neu, gegeben werde: 1) weil das Zeugnit der Erfahrung dafür spricht; 2) weil es mir im Wesen des Christenthums zu liegen scheint und im Begriff der Wiedergeburt, die nimmer, nimmer sich eines Sinns des alten Lebens bedienen kann, um Dinge des neuen Lebens aufzunehmen; 3) die Schrift; 4) die symbolischen Bücher; 5) das Zeugnit aller ächten und aufrichtigen Rationalisten; 6) wegen der Verwirrung, die es macht, wenn man die Vernunft das Auffatungs-Vermögen nennt, und weil man alsdann unmöglich den Rationalismus abhalten kann **) . s. 111 Nun wohl, sie wird gebraucht, die Vernunft, aber gleichwie die Hand u. gleichwie das natürliche unmusicalische Ohr beym Clavierspielen. Lat ich‘s gut seyn hiemit; ich habe Sie nicht bekehren wollen.

Wovon ich bey Ihnen gelegentlich eine Nachricht einziehen möchte, das ist die Einrichtung Ihres dortigen Prediger-Seminars. Das hiesige bezieht sich lediglich auf das Predigen u. Katechiseren, u. steht allein unter Köster, der ein Prediger niemals gewesen ist, u. noch dazu ein „Göttinger" ist, d. h. qui nihil peccat nisi quod nihil peccat, u. wie alle Göttinger thun, Geist und Leben, das etwa in ihm ist, der Bibliothek zum Pfande verschrieben hat. Es möchte auf unsrer Universität ein umfatenderes Seminar einmal errichtet werden können, u. auf der betern Basis, als die mit der Fähigkeit u. Unfähigkeit eines einzigen Mannes gegeben wird. Es giebt gewit eine gedruckte Beschreibung des Kopenhagener —, u. das Dampfschiff geht noch mit Freunden u. Bekannten!

Gott befohlen, theurer Freund! Er segne Ihr Amt u. Ihr Haus!

Der Ihrige,
Harms.