Danmarks Breve

BREV TIL: Jakob Peter Mynster FRA: Henrik Steffens (1773-05-02/1845-02-13)

Fra Steffens.
(Uden Datum).

Lieber Freund! Geheimerath Kortum, vortragender Rath in unserm Ministerio, der dir diesen Brief bringt, ist mein guter, lieber Freund. Wir waren in wunderbaren Verhältnissen. Er war in Halle mein Zuhörer; während des Krieges traf ich ihn als Rector des Gymnasiums in Düsseldorf, wo ich mit Justus Grüner, dem Gouverneur des Grotherzogthums Berg während der Occupation, ihm sehr behülflich seyn konnte sein Gymnasium völlig zu restauriren — denn ich regierte damals mit Grüner *) — und je$$*t ist er meine Behörde. Du kannst von ihm am besten über meine Verhältnisse — auch über das religiøse — unterrichtet werden, über meine Stellung überhaupt — und gewit, du wirst ihn freundlich aufnehmen; ich habe ihn sehr lieb.

Durch ihn hoffe ich nun auch Manches von dir zu erfahren, denn ich stelle mir deine Lage sehr schön, ja beneidenswerth vor. Ich erhielt in diesen Tagen einen Brief von der Generalinn Hegermann, die mir schreibt, datdu noch eine Gemeinde hast und predigst **) — das ist mir sehr lieb; denn, nach dem, was ich durch die Theologen, die hier waren, gehört habe, ist dein Einflut als Prediger auf die zukünftigen so bedeutend, dat es zu bedauern wäre, wenn er s. 177 aufhörte. Ein Bischeff, in ächt christlichem Sinne, ist doch auch mehr, als bloter Beamter.

Wir lesen je$$*t deine „Betrachtungen“ — Es ist das Andachtsbuch meiner Familie. Wie freue ich mich, so ganz mit dir übereinzustimmen. Ich darf sagen: Alles ist wie aus meinerSeele geschrieben, nur einfacher, ruhiger, klarer. Aber — wie es nun möglich ist, dat wir in Rücksicht des Begriffs „der Kirche“ so sehr sollten abweichen können, begreife ich nicht, Noch kenne ich deine Ansicht über diesen wichtigen Gegenstand nicht — ich habe noch nicht den zweiten Theil des Werkes erhalten — und dennoch mut ich vermuthen, dat sie sehr von meiner abweicht. Wie innig wünschte ich, dat wir uns mündlich darüber besprechen könnten. Ist es nicht möglich, dat du her kömmst? Die Reise nach Berlin ist je$$*t so leicht, so schnell. Du würdest schöne Bekanntschaften machen — und es wäre doch herrlich, wenn wir uns noch einmahl sehen, sprechen könnten. Neulich trat der Superintendent Callisen in meine Stube herein — mein alter Bekannter von Kiel — Wenn er kommen kann, warum du nicht?

Dein
Steffens.