Danmarks Breve

BREV TIL: Oluf Christian Olufsen FRA: Christian Henriksen Pram (1794-12-06)

Pram til Olufsen.

Kopenh. d 6. Decb. 1794.

Warum ich erst d. 6. Decbr. auf Deine Briefe aus Basel in Sept. und aus Frankfurth in Octob. antworle? Die Antwort auf den ersten wuste ich nicht wohin zu addressieren, und aus dem letzten sah ich wohl, dasz Du von dort nach Göttingen zuruck kommen solltest, glaubte aber nicht, dasz Du bald dort eintreffen würdest, bis meine Frau mir gestern erzählet einen Brief von Dir aus diesem letzten Orte erhalten zu haben. Sei mir also wilkommen, lieber lieber Olufsen! ich weiss nicht warum, weil doch wircklich Göttingen noch nicht binnen die Granzen unseres Vaterlandes liegt, aber ich sehe Deine Rückkunft zu Göttingen, nach Deinem ferneren Herumwanken, beinahe als ein Wiedersehen an. Halb, komt es mir vor, geniesse ich schon Deiner Umarmung, nach der ich mich recht herzlich sehne. Komm bald ganz zurück; kanst Du das nicht, so komme doch so weit möglich, und so oft, uns zu sehen, und lass uns durch Deine Briefe Deiner, so viel der Zwischenraum, der uns doch immer etwas trennt, geniessen. Du bist grausam gewesen, dass Du uns so lange, als Du in Schweitz warst, gar nichts von Dir hören liessest, Dein Baseler Brief von 27. Spt. war dazu noch 5 Wochen unterwegens. Seitdem haben wir zweimal Dein enlieben Briefbesuch; den hoffen wir jetz (sic!) noch fleissiger: unsern Gegenbesuch wirdst Du auch ietz (sic!), da wir Dich zu finden wissen, oft genug haben. Wir s. 109 besuchen Dich wenigsten alle Tage, im Geiste, und wenn Du uns Deine Umirrungen erzählest, berichtigen wir mit der vollen Wonne der Freundschafft, auf dieser wiederholten Mitreise die Verirrungen, die wir in der Reise der Phantasie mit Dir gemacht zu haben, bemerken.

Es kann nicht fehlen, dass Du auch, aus Deinem Herumwandeln, bisweilen im Geiste, uns auf unserer einheimischen Reise (was ist das Leben als eine Reise? wir sind hier nicht in domo, sagt Cicero 1) , nur in hospitio) auch Du mögtest diese Reise der Phantasie durch unsere Erzählung berichtiget wissen. Du wirdst Dir aber leicht einen richtigen Begriff von unserer Reise gemacht haben. Die Ortschaften, und Stationen kennst Du. Wie gewöhnlich ziehen wir, jetz (sic!) wie vor, uns bey Command. Kiæruffs (sic!), bey der Frau Fischerinn, bey dem Prof. Kiæruffs (sic!), und selten bey dem Advocaten Langes ein. Die Strassen von dem Auberge, den wir zu <i>Hause nennen, bis ans Comptoir etc. bieten uns meistens nur die gewöhnlichen Erscheinungen dar; alles geht so etwa in der alten Gleisse. Wir sind frisch und munter — bisweilen — auch bisweilen nicht; etwas erhebliches, ausser dem. was Du in den Zeitungen liessest, und was uns inbesondere nicht mehr als der ganzen weiten Welt angehet, ist uns nicht aufgestossen. Das die politische Neckereien der fremden Ameisenhaufen mir Ameise das Sammeln zu meiner Ameisencelle erleichtert; zu deutsch, dass ich während des Krieges drei viermal so viel Passgelder als gewöhnlich erhalte, weisst Du. Dies hat mir zwar auch etwas mehr wie gewohnlich Briefschmieren gegeben; aber nach und nach fällt auch das wenigstens in so weit weg, dass ich auch Zeit genug übrig habe auf etwas anders zu sinnen. In November habe ich — doch nein: etwas erst, was Dir mehr interessiren mögte, wenn Du etwa nicht bereits hinlänglich darüber unterrichtet bist.

Als der Graf Ahlefeldt 2) zum Ende Julii den Schauspielern s. 110 ihre Gage auszahlen solte, so wurde er gewahr, dass ihm dazu das nöthige Geld mangelte. Die Entdeckung hatte er nun zwar ein Par mal zuvor zu machen Gelegenheit gemacht; damals aber hatte Sectr. Prinzlow, 1) der, wie Du erinnerst, eine reiche Witwe geheiratet hat, den Mangel abgeholfen; jetzt aber war er, man muthmasst aus Besorgniss, wie er sein Mammon wieder erhalten solte, krank geworden. Der vorige bankerutte Theatercassierer Lassen, 2) der seit mitten im vorigen Winter im Stokhause unter den Sklaven in Fesseln lag, wurde auf Ahlefeldt (sic!) Bitte zwar nicht frey gelassen doch aber den Ketten entlediget; und Ahlefeldt declarirte Sr. Majestät, er hatte kein Geld die vorhandene Besoldungen zu entrichten.

Ahlefeldt des Grafen und Geheimenrathes Excellenz, wurde nun wohl nicht, wie der Plebey Lassen, ins Stockhaus hinge- s. 111 worfen; im Gegentheil wurde er zum Stelvertreter Sr. Mst. bey Allerhöehstderoselben preussischem Bruder ernannt, der Theaterdirectorstelle wie auch dem Marschallatte wurde er aber doch entlediget; und der Stalmeister Hauch 1) , der seit d. 29 Jan. 1794 Dannebrogritter ist, wurden dessen beiden Posten anvertrauet; doch erhielt dieser letztere im Theaterdirectorio zwo Mitdirectors in D'Hrrn Thomas Thaarup 2) und Edvard Storm 3) . Letzterer konnte diesem Glücke nicht überleben; er starb nach Verlauf einiger Wochen. Mein Freund Hauch trug mir an mich an des verstorbenen Directorplatz ernennen zu lassen; ich verbat mir's, aus den Dir genugsam bekannten Grunden (sic!); und mein Freund, Lottchens Mann 4) , wurde Theaterdirector. Er ist mein Freund, ein kreuiz braver Kerl; aber zum Theaterdirector 5) ! da doch weder Rahbek noch Abrahamson 6) , noch Du, noch — ein Par Hundert dazu qualificirte sich's verbaten, wie ich es that! Da ich wenigstens nicht Theaterdirector wurde, so konnte ich, von ■dem Posten ungehindert, was freilich Millionen andere Hindernisse mir vielleicht weigern, furs Theater schreiben. Ein altes Subject, oder wenigstens eine alte Idee zu einem Schauspiele, nahm ich jetzt wieder vor. In vierzehn Tagen wurde daraus ein Schauspiel die Ehenschule(Ægteskabsskolen) 7) genannt, welches ich aber so geheimnissvoll, wie Du Deine Goldene Dose, in der vorigen Woche einschikte (sic!). Es weiss ausser Lange, und Dein Bruder 8) , der es abgeschrieben hat, kein Mensch, woher es kommt. Lange aber s. 112 hat unter der Hand Professor Kiærulf sondirt, und es ist der Direction ganz hell und klar, dass das Stück von keinem andern als dem Verfasser der goldenen Dose herrühre; man findet es deshalb, natürlicherweise, wie es von dem Verfasser seyn muss, ein wahres Meisterstück; man findet die Lebhaftigkeit, die helle Darstellung, die geschmiedige und vortrefliche Diction der Golddose; zugleich aber, das versteht sich, dass der Verfasser sein dramatisches Talent mit dem ersten ausserordentlichen Probestiicke ausgebildet und verfeinert; kurz man kan nicht Worte linden um dessen Wehrt auszuposaunen; man posaunet sich lieischer nicht aber mude, und findet im Stucke das reine Gegentheil von allen dem, was man gefunden haben würde, wenn man gewusst hatte, das das Ding das Unglück hatte ein Kind des ennuianten Vaters des ennuiantissimi 1) Frode und Fingals zu seyn.

Nun aber hatte ich das Stück mit einem Briefe begleitet, worinn ich mir verschiedenes in Hinsicht der Anerbietung dieses Meisterwerkes ausbedungen hatte, z. B. dass es nicht aufgefülirt werden musste, wenn man es nicht ein mehr als mittelmässig gut .Drama zu seyn fände; dass man sich alles Untersucnens um den Verfasser zu entdecken, enthalten solte, dass man das Stuck von den Theaterpersonen, für den es geschrieben war, spielen lassen solte, wen es zur Vorstellung würdig befunden wurde, dass man das Honorarium ehe Verlauf des Jahres auszahlen solte, also ehe das Ding vorgestellet werden konnte. — Dieser Brief, der zwar nicht unhöflich oder beleidigend, doch aber auch nicht bettlend oder kriekend abgefasst ist, hat das Unglück gehabt der Herren neuen Directoren Grootmoegenheed zu miszfallen. Sie finden zwar, dass der Brief nicht ein Werk des Verfassers vom Schauspiele ist, dass dieser sein opus mir oder irgend einem seiner hiesigen Freunden hiehergeschikt hat, der den Brief propria autoritate zusammengeschmiert, man wil sich aber weder von diesem oder von jenem etwas vorschreiben lassen, und ohngeachtet alien dem Ruhme, den man dem Stücke beylegt und bezeugt, ist man gesonnen ihm alle die vorgeschriebene Be- s. 113 dingungen entweder abzuschlagen, oder doch sie nur nach Gefallen anzunehmen, und was das Honorarium betrift, wenn der Verfasser darauf bestehen werde, dass es vor der dritten Vorstellung ausbezahlt werden soil, ihm keinen Heller mehr als 300 Rtr. auszuzahlen 1) . Dienstag werde ich unter dem Namen Silkeborg (so heisst einer meiner Personen) einen Brief erhalten, worinn inir alles dieses gesagt wird.

Was werde ich jetz (sic!) thun? — Die 300 Rtr. annehmen: oder das Stük zurückfordern. Die 300 Rth. sind zwar genug, mehr gewis, als das Stük wehrt ist; mehr viel mehr, als man es werth linden würde, wenn man ahndete, es wäre von mir; aber — nachdem man für den heibergischen Einzug 2) 450, und für Guldbergs Peter und Lise 3) 350 Rtl. bezahlt; und für Thaarups Peters Bryllup 1100 Rtlr., sage Eilf Hundert Reichsthaler daenisch Courant, ausgezahlt hat, und dieser offentlich geaüssert, dass er es zum Hauptgeschaft mache, dafiir zu sorgen, dass die Verfasser honorablement bezahlt werden sollten; und da das alte Reglement, welches nicht aufgehoben nie aber befolgt worden, doch für ein nur aufführbares Schauspiel die Einkünfte des dritten Abends bestimt, diese aber <i>damals 300 Rtr. waren, jetzt aber nach die (!) Erweiterung des Hauses und die neueste Erhöhung des Eintrittspreises 4) an die 500 Rtr. sind. Ist est nicht bettelniedrig jetzt die 300 Rtr. anzunehmen? — Nu, die Form des Briefes, den ich Dienstags erhalten werde, wird wohl vielleicht den Entschlusz näher bestimmen; aber mit den Lobsprüchen, die man wie ich gewiss weiss, und von mehreren Ecken her erschallen hore, stimt doch dieses Anerbieten wenig überein. — Es ärgert mir; und einen ganzen Tag bin ich ganz entschlossen gewesen nie als in der drin- s. 114 gendsten Noth dänisch inehr zu schreiben; in dem Entschlusse fieng ich diesen Brief deutsch an. Sauer lasse ich's mir freilich nicht werden deutsch, oder was Du die Sprache, worinn Du es abgefasst findest 1) fortzufahren; weit weniger sauer als es Dir werden wird, den Einhalt, wo so etwas ist, herauszufinden; der Versuch zeigt mir aber doch sattsam, dass ich besser danisch schreibe. Inzwischen lasse ich doch nicht sogleich die Idee fahren, niein Stück zu behalten, es selbst ins deutsche zu überseizen, und die Übersetzung an alle Deutschlands Theater zu versenden. — Der Einhalt des Stücks machts möglich — wenn ■es sonst in sich, und irgendwo interessant ist, wie ich mirs wirklich vorstelle, — ohne Unterschied der Interresse eben so gut es in Manheim und Prag und Paris, und Stokholm, als in Kopenhagen zu geben. Mit der nächsten Post, ich bitte Dich flehentlich, sage mir Dein Andenken; ich werde ja in 14 Tagen Dein Brief erhalten können; ich fasse gar keinen Entschluss, und antworte nicht auf den Brief Dero Hochmögenden, ehe ich Deine Antword erhalte.

Für Deine Briefe, für Deine unwandelbare Freundschafft, deren vorherige und deren zukünftige Beweise, sey mir von Herzen gedankt. — Gott weiss, wie es zugehet, dass mir mein Briefschreiben, ehe ich es anfange, immer so schwer ist; wenigstens .ist mir wenig oder nichts in der Welt so angenehm, als dies Briefschreiben, wenn es an einen Freund, wie Du mirs bist, einniahl angefangen ist. Geniesse ich noch eine Viertelstunde dieser Behagligkeit, so wird der Brief nicht abgehen können.

Deinen letzten Brief aus Frankfurt, der auf einmahl an Schwartz und am mir (!) gerichtet war, kan ich nicht genau beantworten, denn Schwartz hat inn. Nun erinnere ich's: ich solt Dir die gelehrte Zeitung, und Minerva etc. schicken ich habe es bisher vergessen; soil's aber bestellen, obschon ich ilnde es den Porto gar nicht wehrt. — Die Karten an den Major zu Gotha sind schon weg in einer hölzernen Kasse mit Wachstuch. — Ich habe Dir noch tausend Sachen, die ich verschieben muss, zu melden. — Mein guter alter 70- s. 115 jahriger Vater hat vor 7 Wochen, als sein Wagen mit ihm umwarf, den rechten Arm quer abgebrochen; weil er aber gesund, und dem Wundarzte gehorsam ist, so ist er schon ziemlich hergestelt und hat beynahe gar keine Schmertzen ausgestanden. — Die Mds. Eilitz wurde heute vor acht Tage mit einem altlichen Schiffer, der etwas Geld hat, geheirathet. Sie liebt ihn nicht, das versteht sich; sie wird aber nicht reich genug um des Verquicquens der Liebe zu entbehren. — Fiir ein Lied von Heiberg, wovon ieh glaube ich schon letzt etwas meldete, und welches Rahbek, als Heibergs beständige Spuchelecker, in seinem Zuschauer einrückte, ist Heiberg verurtheilet 300 Rtr. Strafe und die Processkosten zu bezahlen. Rahbek, der zugleich fiscaliter actionirt war, wurde aber freigesprochen. Diese Action war inzwischen mit Ursache, wenigstens der Vorwand, warum er nicht Theaterdirector wurde. Lebe wohl.

Dein Pram.