Danmarks Breve

TIL: ukendt FRA: Peter Forsskål (1761-09-21)

18. Forsskål (Affatter), Niebuhr og Baurenfeind til v. Gähler21. Sept. 1761.

Hochgebohrner Herr Envoyé
Gnädiger Herr.

Für die ausnehmende Gnade und recht väterliche Vorsorge für unsere kleine Gesellschaft, die der Herr Envoyé uns in Constantinople erzeiget haben, statten wir nochmahls unsere unterthänige Dancksagung ab, und werden dieselbe in den danckbarsten Hertzen die Zeit unseres Lebens verehren.

Von den Dardanellen schrieb Hr. Professor von Haven und der Astronomus da wir andern auf dem Schiffe waren. Heute kamen wir in Rhodes an. Wir sind nicht auf Stanchio gewesen, auch sonst nirgends von den Dardanellen ab. Hier trafen wir bei dem Frantzösischen Consul einige, die nach Constantinople reisen, und uns anbothen, Briefe mitzuschicken. Wir ergreifen diese Gelegenheit dem Herrn Envoyé die erste Nachricht zu geben, von einem Umstande, der uns alle sehr bestürtzt gemacht, da wir ihn erst für paar Tagen von dem Medico erfahren.

Den letzten Tag, da wir in Constantinople waren, hat der Apothequer Florent dem philologo in Gegenwart des Medici zwey erstaunliche portionen Arsenic auf sein Verlangen gebracht, und da der Medicus darüber sehr bestürtzt worden, hat der Empfänger diese Droguen beym Einpacken dem Medico zu Verwahrung gegeben, ohne Zweifel den Verdacht zu vermindern. Aber dieser Medicus ist doch für ihm und für sein Hertz von der Stunde an erschrocken geworden. Er hat es uns allen entdeckt, und die paquete gezeigt, die wir versiegelt nach Ägypten mitnehmen. Die portion ist so gross dass sie für 2 Regimentern die letzte Mahlzeit s. 120 geben konte. Wir glauben, dass Herr Envoyé dieses Mannes Character kennen, seine Begierde die Casse zu haben und disponiren ist bekant ; der Medicus hat erzählt, dass den Tag, da er sein Vergehen hat in Gegenwart des Hrn. Envoyé erkennen müssen, er ein Eidschwur gethan, dass es demjenigen noch gereuen solte, ehe er nach Haus käme, der ihm diesen tort gelhan hatte. Da wir dies alles zusammen nehmen mit der Herschsucht und dem Jähzorn, den er noch alle Tage zeigt, können wir nicht anders, als den allergrausamsten Endzweck von den gekauften Materialen uns vorstellen. Wir sehen dass es leicht ist in einem Lande, wo die Pest oft komt, die Schuld eines plötzlichen allgemeinen Todes allemahl auf die Pest zu schieben, und damit zuvorzukommen, dass nicht einmahl die Körper der unglücklichen besichtiget werden. Wir glauben auch, dass wenn es einen von uns gelten soll, muss es zugleich alle gelten, weil sonsten die zurückgebliebenen den Thäter unglücklich zu machen benöthigt wurden. Wir wissen keinen andern Rath, als alles den Befehlen und der Vorsicht des Herrn Envoyé noch einmahl zu überlassen. Wir wagen gerne unser Leben in die Gefahren, die vielleicht ausser dem die Reise selbst mitbringt. Aber dieser alltägliche Gefahr von einem Gefährten komt uns grösser als alles vor. Herr Envoyé wollen so gnädig sein, und dem Apothequer Florent selber fragen, ob nicht ein gross paquet weisses und gelbes Arsenic ist verlangt und eingehändigt worden. Der Empfänger kan noch wohl was für sich aufbehalten haben, und wo nicht, kan ers in Ägypten genung finden. Es lässt sich wohl kein guter Endzweck mit einer solchen Reiseprovision ausfinden. Wäre es doch nicht möglich, dass wir nach Ägypten eine baldige Ordre von dem Herrn Envoyé erlangen konten, die uns mit einmahl von diesem Gefährten befreyen mögte, der doch nicht eher aufhören wird, eher er uns oder sich selbst, oder beyde, unglücklich gemacht hat.

Wir bitten um unsere Empfehlung an den Hn. Secretair Horn und an Herrn Schumacher, und mit der grössten Ehrerbietung verharren zeitlebens

Ew. Hochgebohrnen
Unterthänige Diener
Pet. Forsskål. C. Niebuhr. G. W. Baurenfeind.

Der Philologus und Medicus sind am Borde geblieben.

Rhodes d. 21. Sept. 1761.