Danmarks Breve

BREV TIL: Peter Elias von Gähler FRA: Peter Forsskål (1762-03-15)

24. Forsskål, Niebuhr (Affatter) og Baurenfeind til v. Gähler15. Maris 1762.
Cairo d. 15te Mart. 1762.

Hochgebohrner Herr Envoyé.

Auf Ew. Excell. gnädiges Schreiben vom 17ten Nov. vorigen Jahrs haben wir mit allen Schiffen die seitdem von Const, und Smyrna gekommen die gnädigste Resolution aus Copenhagen und deroselben weitere Befehle erwartet, allein bisher sind unsere Wünsche noch nicht erfüllet worden. Uns verlanget um desto mehr nach selbige da der Pr. von Haven beschlossen zu haben scheinet sich furchtbar zu machen in dem wir uns auf alle Art bestreben freundschaftlich mit ihm umzugehen. Er redete neulich des Abends mit einer sehr grossen Verachtung und den schlechtesten Ausdrückungen (als Hundsf.) von der Engländischen und Holländischen Nation dass der Botanicus endlich da er ebendasselbe zum 9ten Mahl wiederhohlete, nur darauf in aller Stille und Freundschaft antwortete: Es wären zwar keine Holländer zugegen, aber man könte ja doch wohl von ganzen Nationen andere Ausdrückungen gebrauchen. Er versezte so gleich darauf: er müste ihn nicht corrigiren und wurde auf einmahl so aufgebracht, dass er nicht allein dieselben ehrenrürigen Schimpfwörter, deren er sich bereits auf dem Kriegsschiffe bedienet, augenblicklich gegen den Botanicum heraus stiess, sondern er ergrieff auch einen Krug und drohete mit vieler Bosheit denselben ihm in den Kopf zu werffen. So bald wir sahen dass es ernsthaft wurde, bemächtigten wir uns um einem grösseren Übel vorzukommen, des Kruges, jedoch auf Ew. Excell. expressen Befehl, ohne ihm die geringste Gewalthätigkeit zuzufügen oder ihm ein Wort zu sagen worauf er Gelegenheit suchen könte seine Aufführung vertheidigen zu wollen. Indessen schimpfte er nicht weniger wie vorher ohnerachtet er davon s. 134 erinnert wurde dass er bereits dieserwegen in Ew. Excell. Gegenwart Abbitte gethan. Da er aber alles dieses nichts geachtet, so bittet der Botanicus gehorsamst dass Hochdieselben vor ihm um eine andere Satisfaction in Copenhagen gütigst ansuchen mögen, fals Ew. Excell. es jezo bereits für gut befinden.

Wie beschwerlich würde uns nicht unsere bevorstehende Reise werden woferne wir beständig in seiner Geselschaft seyn müssen? Ob er gleich nicht mit uns in einem Hause wohnet, so ist er doch verschiedene Mahl vor dem Essen in die Küche, und darauf wieder weggegangen und hat bey den französischen Kaufleuten gespeiset. Ew. Exc. werden leicht erachten mit welchem Appetit wir andere gespeiset wenn wir dergleichen gesehen oder gehöret. Auf wie vielerley Art kan er aber auch nicht sonst suchen uns Schaden zuzufügen, gesezt wir hätten für das was er in Constant, gekauft nichts zu fürchten. Der eine muss sich wegen der Kräuter unter die Araber öfters an gefährliche Örter wagen und der andere muss sich gleichfals exponiren wenn er Reise Charten und Grund Risse von Städten machen will. Wie leicht könte er nicht in diesen Ländern wo man für Geld alles machen kan, gegen den einen einen Araber und gegen den andern einen Janitscharen aufwiegeln und sie beyde unglücklich machen. Ew. Excell. bitten wir also gar sehr uns so bald als möglich von der Geselschaft eines Mannes zu befreyen für dessen Hinterlist wir unser Leben nicht sicher zu seyn glauben. . . . . 1) .

Die Gerüchte haben die hiesige Regierung sehr oft verändert; allein Mustapha Pascha ist noch beständig auf dem Schlosse und der abgesetzte auf dem Lande zwischen Cairo und Bulac. An einem Tage hat man 20000 Mann gegen Cairo marchiren lassen, den folgenden Tag war man zweifelhaft ob sie nach dieser Stadt bestimt wären. Den 3ten waren diese Trouppen schon bey Gaza und am 4ten waren wiederum keine in der ganzen Levante. Die letzte Nachricht scheint wohl die gewisseste zu seyn, neml, der Pascha von Aleppo soll nach Cairo kommen und der jeztregierende bis dahin als Kaimakan alhier bleiben und darauf wieder nach Aleppo gehen. Der abgesezte aber soll nach Morea bestimt seyn.

Wir sind glücklich dass wir nicht mit denen Schiffen nach Gidda abgereiset sind, die eben bey unserer Ankunft in Cairo fertig waren von Suez abzugehen denn beyde sind auf dem rothen Meere gescheitert.

s. 135 Der Balsam von Mecca ist nur zu bekommen wenn die Caravane wieder zurückkömt und sie gehet erst nach Ramadan von hier ab. Indessen werden wir deswegen Commission an einen zuversichtlichen franz. Kaufmann lassen.

Die Saamen von Kräuter für die Botanische Gärten zu Paris, Montpellier, Chelsey und Amsterdam um deren Beförderung der Botanicus DHrn. Ambassadeurs in Const, ersucht hat, hat er durch den Consul Marion durch einen kürzern Weg über Livorno gesandt. Die nach Copenhagen und Upsal sind am 18ten Dec. an Ew. Excell. abgesandt worden.

Der Ingenieur ist beynahe mit einem Grundriss von Gross Cairo, Bulac, alt Cairo und Gize fertig und wird die Ehre haben denselben nebst einer Charten vom Nil mit ehester Gelegenheit an Ew. Ex. zu überschicken.

Wir empfehlen uns Ew. Exc. ferner Gnade und verbleiben mit aller Ergebenheit

Ew. Excellentz
unterthänige Diener
P. Forsskaal. C. Niebuhr. G.W. Baurenfeind.