Danmarks Breve

BREV TIL: Peter Elias von Gähler FRA: Peter Forsskål (1762-04-29)

27. Forsskål (Affatter), Niebuhr og Baurenfeind til v. Gähler29. April 1762.
Cairo, d. 29. April 1762.

Hochgebohrner Herr Envoyé.

Ew. Hochgebohrnen Befehle vom 17. Novemb. 1761, so wohl in dem gemeinschaftlichen Schreiben für unsere Gesellschaft, als in dem besondern an den Astronomum addressirten, haben wir im Anfange dieses Jahres erhalten, und darauf sogleich durch den Astronomum unsere unterthänige Antwort abgeschickt. Jetzt haben wir auch den zweyten Brief von Ew. Hochgeb. vom 6. Mart, erlangt, und sehen daraus, dass uns noch einer von 28. Decemb. 1761 mangelt. Wir sehen ebenfalls daraus, dass die von uns abgelassenen Briefe nur biss d. 11. Dec. 1761, und nicht die spätem, angekommen, hoffen doch dass sie nach und nach noch einlauffen werden. D. 18. December 1761 hat der Botanicus geschrieben, und zugleich zwei paquete Kräutersaamen für Copenhagen und Upsal, nebst einem Einschlusse an den Herrn Palm, eingeschickt, und wie ihm deucht, hat der Consul Marion berich- s. 139 tet, dass dieses alles mit dem dänischen Schiffs Capitain Holm abgeschickt worden. Darnach hat der Astronomus im Anfange des Januar, dieses Jahres, wie gemeldet, Ew. Hochgebohrnen ersten Briefe beantwortet, und gegen die Mitte des Martz-Monaths haben wir drey gemeinschaftlich das Betragen des Philologi, und wie er von neuen auf dieselbe höchste Grobheit verfallen, die er in Gegenwart Ew. Hochgebohrnen abgebeten und abgelobet hat, nun auch so gar ein noch roheres Gemüth dabey geäussert, einberichtet. Wir würden unter die unglücklichsten von allen reisenden sein, falls wir nicht von diesem Gefährten, wie wir doch die grösste Hoffnung haben, befreyet werden können.

In Cairo sind wir sonst die gantze Zeit mit guter Gesundheit geblieben, und haben nach den Befehlen Ew. Hochgebohrnen, keine fernere Reise, nicht einmahl nach Sinai, vornehmen können. Nur haben wir die Pyramiden die nicht weit von Cairo sind, einigemahl gesehen, und der Botanicus hat neulich eine Landreise nach Alexandrien, um die Frühlingskräuter des Orts zu sehen, gethan. Dahin ist zu Lande eine Reise nur von dreyen Tagen. Er wurde aber bey der Gelegenheit ohnweit Alexandria von den arabischen Beduinen abgekleidet und geplündert, doch ohne sonst im geringsten beschädiget zu werden. Weil er auch sich vorher darauf gefasst hatte, und gar nichts kostbares oder Geld mitgenommen, hat er ebenfalls von der Plünderung keinen erheblichen Schaden gehabt. Die Beduinen tödten fast niemahls, wenn man ihnen nur keinen Wiederstand thut.

Die Säämereyen für die Botanischen Gärten zu Paris, Montpellier, Chelsey und Amsterdam, um derer Beförderung er die Herren Ambassadeurs in Constantinople ersucht, hat er von hier durch einen kürtzern Weg über Livorno absenden können.

Da wir der königl. instruction zu Folge nach und nach kleine Ausarbeitungen und Samlungen an des Hn. Grafens Moltkes Excellence eingeschicket und einschicken werden, so bitten wir Ew. Hochgb. unterthänig, Sich eine Nachricht davon, wenn etwas dergleichen in Dänemarck angekommen, zu begehren, und uns dieselbe gnädig mitzutheilen, damit wir wissen können, welche von den zurückbehaltenen Duplicatis wir am sorgfältigsten zu verwahren haben.

Von den Briefen des Hn. Geheimde Raths v. Bernstorffs Excellence haben wir die beyden duplicata in demselben Einschluss bekommen, vermuthlich, weil darauf nur inwendig, nicht aber auch auswendig angemerckt war, dass sie duplicata waren.

s. 140 Professor Oeder in Coppenhagen hat zu dem Botanico geschrieben, dass er noch nicht d. 9. Jan. die ersten Kräutersaamen erhalten, und dass deswegen nach Petersburg geschrieben sey, weil er sie den Weg erwartet hat.

Falls der Naturalien-Schranck, den der Botanicus bey Ew. Hochgebohrnen gelassen, noch in Constantinople ist, bittet er unterthänig, dass Ew. Hochgeb. wollen die Gnade haben, und beygelegtes Promemoria durch Dero Haus Hofmeister, wenns möglich ist bewerkstelligen lassen ; oder wenn der Schranck wissentlich noch woranders wäre, dieses Promemoria an jemanden, nachzuschicken, der die begehrte Vorsorge für die naturalien tragen wolte.

Die Briefe von des Geh. R. von Bernstorffs Excellence hat der Astronomus und der Mahler sogleich über Livorno, weil der Weg weit kürtzer ist, beantwortet, und zugleich hat der erstere seine Charten über den Nil und über der Stadt Cairo, und der andere auch einige Zeichnungen der prospecte und antiquiteten übergeschickt.

Da wir sehen, dass Ew. Hochgebohrnen auf die Recommendation des Medici zu dem Consul Hughes, und seinem jetzigen agenten Proschvitz das dänische Consulat werden überlassen, halten wir für unsere Schuldigkeit noch welche nähern Umstände Ew. Hochgebohrnen an die Hand zu geben. Es hat sich nehmlich H. Proschvitz als ein Landsmann sehr bald ein grosses Vertrauen bey dem Medico erworben, dieser hat ihn aber selbst nachhero anders kennen lernen, und sein eigener Consul ist sehr übel mit ihm zufrieden, dass er sich so gar verlauten lassen, er würde ihn nicht lange seinen agent seyn lassen können. Wir können auch für unser Theil ihm gar kein Zeugniss eines redlichen und guten Gemüthes geben. Mittel hat er aber so wenig von sich selbst, und ob bey den Umständen das dänische Consulat würde in seinen Händen alleine, wie er vielleicht suchen wird, wohl sein, das beruhet auf Ew. Hochgeb. Urtheil.

Der Holländische Consul selber dagegen scheint ein sehr gutes Gemüth zu haben, steckt aber wie der Consul Marion in erstaunlichen Schulden, doch mit grösserer Hoffnung sie bezahlen zu können, weil ihm die gantzen Consulatgelder von den Holländischen Schiffen allein gehören, und die Holländische Handlung nach Alexandria sehr zuzunehmen scheint. Es steht nur dahin, da er einen so ansehnlich grössern Gewinn von den Holländischen Schiffen hat, ob er nicht immer werde gereitzt werden die Holländische Handlung für die Dänische zu befördern, und bey Anschaffung der s. 141 nolissen 1) jenen grösseren Vortheil allezeit bedenken ; so wie einige jetzt dem Consul Marion, wir wissen nicht ob es mit Recht oder Unrecht geschiehet, beschuldigen wollen, dass er die Livornesische Schiffart als ihm selbst einträglicher, stärcker befördere als wie die Nordische, die ihm sehr wenig einbringt. So viel ist gewiss, dass jetzt fast beständig Livornesische Schiffe in Alexandria sind. Dänische aber und Schwedische nur selten, da doch der Livorneser ihre Schiffart in diesen Gewässern ehedem sehr schwach soll gewesen sein. Von See Capitainen die aus Norden nach Alexandria gekommen, haben wir auch die Gedancken gehört, dass die nordische Handlung auf Alexandria nicht leicht werde empor kommen, ehe ein eigener separirter Consul für diese Nationen wieder etablirt werde. Wir bitten aber Ew. Hochgeb. in gemeinschaftlichen Briefen nicht zu melden, dass wir dieses, was unsere Schuldigkeit und Pflicht doch erfordert, einberichtet haben, weil der Philologus dem H. Proschvitz, vielleicht wegen der ähnlichen Gesinnungen, sehr zugethan, und der Medicus nicht weniger dem Consul Hughes, bey dem er in Hause ist. Dieser Consul hat uns auch vorzügliche Höfligkeit erwiesen, so dass wir ihm alle Danckbarkeit, die nur nicht der Nation auf einige Weise zu Nachtheil sein kan, gerne erweisen wolten.

Der abgesetzte Pascha von Cairo, der das Gouvernement von Morea erhalten, ist vor wenigen Wochen von hier abgereist; er hält sich noch in Rosette auf. und wird nach Ramadan nach Alexandria gehen, wo die Juden bey der douane sich grosse gewaltsame Veränderungen im Zollwesen von ihm versehen, und schon mit ihren Reichthümern weggeflohen und sich versteckt haben, als der hier bisshero kaimakan gewesene Mustafa Pascha in den Gedancken war, dass er dem erwarteten neuen Pascha das Schloss räumen solte, sagte uns einer von seinen Leuten, dass er doch nicht würde nach Aleppo gehen, sondern nur seinen vicarium daselbst halten, und aus Furcht dorten zu nahe zu sein und sein Kopf verlieren zu können, war er gesint in einer Vorstadt von Cairo, als in einem sicheren Lande zu bleiben. Er soll auch vordem sehr viele scharffe Befehle von dem Sultan erhalten haben, sich ohnverzüglich nach Gidda zu begeben, er ist aber dem allen ohngeachtet ruhig in Cairo geblieben. Man sagt, er hoffe immer noch wieder Grossvizir zu werden, und dass ein Pascha der in Gidda gewesen, das nicht mehr soll werden können. Weil er auch s. 142 als Grossvizir, bey Absterben eines Sultans biss zum Antritt des andern, die Stelle des Käysers einige Stunde vertreten hat, so sagen viele, dass der Sultan auch bey dem grössten Missvergnügen, besonders da er in Ägypten ist, ihm den Kopf nicht könne nehmen lassen. Vor ein paar Tagen hat man wieder als zuverlässig berichtet dass unser Mustafa Pascha eben die confirmation des Hofes erhalten für dieses Jahr ordentlicher Pascha in Cairo zu sein, und dass der neuerwartete Pascha, der schon in Gaza sein soll, wieder woranders hin gehen werde.

Ew. Hochgebohrnen dancken wir unterthänig für die versprochenen neuen recommendationen an den künftigen Pascha in Gidda. Allein, da ein starcker Handel und correspondence von hier nach Gidda, und weiter über Gidda, und weiter über Gidda nach Mocka ist, und wir deswegen von Kaufleuten in Cairo viele recommendations Briefe an Kaufleuten in Suez und Gidda erlangen können, da auch in diesen Ländern man desto sicherer reisen kan, je mehr man ohne Aufsehen zu machen reiset, so wissen wir nicht ob wir nöthig haben Ew. Hochgeb. mit dieser neuen Mühe beschwerlich zu fallen, zumahl in allem Falle der Pascha in Gidda, wenn er den Grosssultan respectirt, eben den egard für den Ferman, den wir haben, tragen wird, als für eine andere recommendation. Wir unterwerffen doch alles dem weitern Gutbefinden Ew. Hochgeb.

Den gnädigen und gerechten Gesinnungen Ew. Hochgebohrnen empfehlen wir noch ferner uns und unsere Umstände mit der grössten Zuversicht und Ehrerbietung mit der wir auch zeitlebens verharren

Ew. Hochgebohrnen
unterthänige Diener
Petr. Forsskål. C. Niebuhr. G.W. Baurenfeind.

P. S. Der Brief von Marth Monath ist unter dem Couvert an den Hrr. Hübsch abgeschickt worden, und dieser abgehet unter dem Couvert des Monsieur Conturier, weil wir befürchtet haben, dass die Briefe sonst möchten von des Philologi guten Freund in Alexandria, dem H. Proschvitz, unterschlagen werden können.

Nachdem dieses geschrieben war, hat man hier wiederum gewiss erfahren, dass der neue Pascha Bekir in wenig Tagen seinen Einzug hier halten werde. Man hat auch von des Mustafa Paschas seinem kiaja selber gehört, dass dieser Mustafa werde nach Aleppo würcklich reisen müssen. Nach den Briefen von Alexandria hat man da erwartet, dass der Capitain Pascha mit der Flotte, und s. 143 mit dem abgesetzten Pascha von Cairo Ahmed, von dorten d. 25. oder 26 Apr. weggehen werde. Man erwartet in dieser Stadt täglich das Dänische Kriegsschiff Grönland, das schon im Anfange des Januarii Monaths in Malta gewesen sein, und was man hier schon lange gesagt, den Consul von Malta und intendant general du commerce de Levant Monsieur Habéla in die Levantischen vornehmsten Handels-Plätze begleiten soll.

Die geschriebenen Berge bey Sinai, Gebl el mokatab genant, hat niemal der hiesige Ertz Bischof von Sinai gesehen, weil sie noch etwas weit ab von diesem Berge sein sollen. Allein Leute die die Wahlfart nach Sinai gemacht, haben uns versichert unterwegens und auch auf dem Berge selbst alte unleserliche Innschriften gesehen zu haben, dero Abschreibung allein vielleicht eine Reise verdienen möchte.

Dass der Venetianische Consul Ferro am Anfange dieses Monaths hier gestorben, ist vielleicht schon bekant.