Danmarks Breve

BREV TIL: Peter Elias von Gähler FRA: Carsten Niebuhr (1762-07-21)

29. Niebuhr til von Gähler21. Juli 1762.
Cairo d. 21ten Julii 1762.

Hochgebohrner Herr Envoyé.
Gnädiger Herr.

Ew. Excell. gnädiges Schreiben vom 8ten May mit allen Anschlüssen, ingleichen das an mich ins besondere welches dieselbe a part an Hrn Consul d’Amirat gesandt, haben wir an dem letzten Tage des vorigen Monaths wohl erhalten. Letzteres hat der Herr Consul mir allein zugestellt. Kein Mensch hat es gesehen und keiner soll es jemahls sehen.

Ich bin bis Alexandrien jeder Zeit dem hohen Befehl Sr Excell. von Bernstorf gefolget, neml. so viel möglich durch gute Vorstellungen die Einigkeit zu erhalten. Es ist mir aber nicht geglücket, und ich als ein schlechter Philosoph in Vergleichung der andern, die beyde Magistri Philosophie sind, bin beständig mehr in meiner Gemüths-Ruhe gestöhret worden wie die Haupt Persohnen, denn diese nach dem sie alles philosophisch betrachtet, können auf ein Scharmützel gleich wiederum studiren als wäre nichts passirt.

Von dem Prof. Forskål muss einjeder bekennen dass er arbeitsahm, auf der Reise nicht delicat sey und eine gute Einsicht in sehr viele Sachen habe. Dieses finde ich nicht auf der andern Seite. So gerne ich auch in der französischen u. italienisch. Sprache mich perfectioniren möchte, so ist es mir doch unmöglich mich nach der Methode des Prof. von Haven zu bequemen. Sein arabisches ist noch nicht gar viel zu rühmen ob er gleich, wenn ich mit ihm allein bin, sehr vieles von Poeten redet. Ew. Excell. kennen selbiges auch. Seine politische Einsichten schlagen auch sehr fehl denn er liess bereits in Göttingen wie ich noch mit ihm daselbst studierte, die Engländer, meine Landes Leute die Hannoveraner, und den König von Preussen schlagen und theilete bereits ihre Länder unter die Franzosen und Oesterreicher. Alle seine Demonstrationes sind bisher noch fehl geschlagen, aber dem ohngeachtet ist er doch noch von seinem Saze so gewiss dass er die für ignoranten hält die seine Meinungen nicht glauben wollen. Aus allen diesen Gründen werden Ew. Excell. es mir nicht verdenken wenn ich die Geselschaft des einen mehr liebe wie des andern. Dieselben können versichert seyn dass ich dem einen so s. 146 wenig traue wie dem andern. Das was Ew. Hochgebohren an den Pr. Forsk, geschrieben habe ich bereit zu Copenhagen erfahren. Hat dieser sich aber nicht bereits über meine Hize beschwert wo von er ohngefähr vor 6 Monathen ein Exempel gesehen, ich werde niemals über seine Geduld klagen.

Auf den letzten Befehl den Ew. Excell. mir gnädigst gegeben, versichere ich hiedurch dass mit meinem Vorwissen keiner aus der Geselschaft sich unterstehen soll Ew. Excell. mit Klagen wiederum beschwerlich zu fallen. Dieselben werden es mir aber nicht beymessen wenn künftig keine gemeinschaftliche Berichte mehr geschrieben werden. Kan ich von der einen oder der andern Seite etwas mit unterschreiben, so werde es niemals versäumen ; weiter ist es aber nicht rathsam vorzustellen....... 1)

Niebuhr.