Danmarks Breve

BREV TIL: Caspar Herman Gottlob Moltke FRA: Peter Forsskål (1763-01-21)

34. Forsskål til Moltke21. Januar 1763.

Hochgebohrner Herr Graf,
Hochgebietender Herr Geheimde Rath
Ritter und Ober Hof Marschall.

Zu Ew. Excellences Beurtheilung habe ich meine unterthänige Gedancken von der Eisen Handlung nach Mocha, eingeschickt, durch ein Schreiben von der Stadt Tor am rothen Meere d. 12. Oct. 1762. Nachhero sind wir d. 29 desselben Monaths auf der Rheede von Gidda angekommen und von der Stadt Gidda mit dem ersten Schiffe nach Yemen oder das glückliche Arabien d. 14. Dec. abgegangen, und endlich haben wir das Land, das das Ziel unserer Reise ist, d. 29. Dec. erreicht. Wir sind vom Schiffe abgegangen bey der Stadt Lahája, die die nördlichste ist in gantz Yemen unter der Breite von 15 grad. 42. min. nördlich. Die Europäer sind hier sehr wohl gelitten, das Land ist sicher, und die Einwohner gesittet. Der Gouverneur hier in Lahája hat uns viele Höflichkeit erwiesen, und uns so gar Geld angebothen falls wir es nöthig hätten. Nur das kommt den Leuten überaus fremd vor, dass wir hier ohne Gewinn zu suchen und ohne Kaufmanschaft zu treiben, reisen, welches ihnen hier zu Lande gantz was unerhörtes ist. Wir bleiben immer dabey, dass wir nur nach Tranquebar unseres Königs Land in Ostindien reisen, und nur dahin über Arabien passiren wollen, und dass wir uns mitlerweile, da wir auf Europäische Schiffe warten, nur mit Aufsuchung der Naturalien zum Nutzen der Artzneywissenschaft beschäftigen.

Der hiesige Gouverneur hat mir selber einmahl gefragt, warum nicht Kaufmanns Schiffe von unserm Lande hier käme, und ich habe ihm geantwortet, dass sie vermuthlich kommen würden, wenn die Kaufleute in Dänemarck Yemen genauer kennen lernen und s. 153 von uns erfahren, dass unsere Landsleute mit Ruhe und Gewinn ihre Wahren hier absetzen können. Er erwiederte darauf, dass ihnen hier in seiner Stadt gewiss alle Ehre erwiesen werden solle. Allein diese Stadt ist wohl zuweit abgelegen und hat einen gar zu seichten Hafen, für grosse Schiffe. Deswegen ist man auch nicht gewohnt Europäer hier zu sehen. Mocha ist, wie bekant, der gewöhnliche und bequemste Handlungsplatz. Können wir bey Gelegenheit in der Königl. Residence Stadt Sanaa ein schriftliches Versprechen von dem imam oder Könige selber heimlich erhalten, dass er, falls dänische Schiffe ankommen, den Zoll zu drey procent lassen will, wie es mit Engelländern, Frantzosen, Holländern und Portugiesen verabredet ist, so wird es unserm König nicht missfällig sein können, obgleich wir wohl wissen, dass wir gar nicht Vollmacht haben in irrgend einige tractæte einzugehen, die einige Verbindlichkeiten von der Seite unserer Mitunterthanen enthalten solten. Allein auch ohne vorläufiges Versprechen des imams glaube ich gewiss, dass die Dänen dieselben Vortheile in Mocha erhalten würden, wie die andern Europäer, so bald sie mit einem Schiffe dahin kämen. Denn einmahl seht man hier alle Europäer fast als ein Volk an, und ein mit begierlichen Gütern beladenes Schiff bräuchte nur zusagen, dass es wieder zurücksegeln wollte, falls man ihm nicht gleiche Vortheile mit den andern Europäern einstehen wollte. Andere als Europäische Schiffe bezahlen in Yemen 10 procent Zoll.

Ich habe von Leuten aus Mocha gehört, dass Engelländer und Holländer Eisen von Trankebar nach Mocha bringen. Warum nehmen nicht die dänischen Schiffe selber diesen Gewinn? Das europäische rohe Eisen gilt gegenwärtig hier zu Lahaja, ein Frâsele (das ist 20 Rotl oder gute, ein Rotl ist beynahe 17¼ medicinal Untzen) zwey Reichsttaler specie, das Bley ein Frasele 2¼ biss 2½ Reichtsth. specie, Kupfer ein Frasele 6 Reichsth. specie. Verarbeitete Metalle würden sich mit noch grösseren Gewinn verkaufen, als eiserne Nagel, Messer, Flinten, kupferen und eiseren Kessels mit Deckeln, die umgewandt stehen und als Schüssel dienen können etc. Solche Sachen würden am besten abgehen, weil der Gebrauch davon allgemein ist, und die Leute hier zu Lande das Schmieden nur schlecht verstehen. Rosenkräntze, von kugelrunde Corallperlen, wovon ich von Ew. Excellence aus Marseille Proben eingeschickt, sind hier so geschätzt und so theuer, dass nur die reichen Leute sie tragen können. Arbeiten von Bernstein, zumahlen weisslich undurchsichtig, als Rosenkräntze und s. 154 Mundstücke auf Tobackpfeifen sind ebenfalls in hohem Preisse. Auch geschliffene Gläser zu riechenden Wässern u. d. g.

Das Geld womit die Wahren bezahlt werden, ist ordinair Ungarsche Species Reichsthaler und Venetianische ducaten. Beyde kommen in Überfluss hieher von Cairo zur Bezahlung der Caffe-Bohnen, die von hier jährlich in erstaunlicher Menge nach Ägypten gehen. Die Waaren die die Europäer von Yemen zurück nehmen, sind so viel ich noch erfahren habe, nur Caffebohnen, die sie wieder meistens in Indien verkaufen, auch zuweilen Bergsaltz. Die besten arabischen Caffebohnen werden jetzt hier zu Lahaja verkauft in minut ein Rotl oder starckes Pfund für 1/7 species Reichs thaler, oder gute für ein Rthlr. specie. En gros sind sie weit wohlfeiler. Die ordinaire Zeit, da die Europäischen Schiffe in Mocha ankommen, ist nach Februarii Monath, da in der indischen See Südwinds passade sein soll.

Mit der tiefsten Ehrerbietung und Gehorsam bin ich zeitlebens

Ew. Excellences
unterthänigster Diener
Petr. Forsskaal.

Lahaja d. 21. Januar 1763.