Danmarks Breve

BREV TIL: Peter Elias von Gähler FRA: Carsten Niebuhr (1764-01-10)

39. Niebuhr til v. Gähler10. Jan. 1764. (Uddrag).

An Se Excell. den Herrn Envoyé de Gähler.

Ew. Excellentz ersehen aus beygehendem gemeinschaftlichem Berichte dass ich mich resolviret einen ganz andern Rückweg zu nehmen als uns vorgeschrieben worden. Dieselbe können gewiss versichert seyn dass ich sehr lange angestanden ehe ich diese resolution genommen; es ist aber natürlich, dass ich nach so vielen ausgestandenen kleinen Krankheiten, den nach aller Wahrscheinlichkeit sichersten Weg wieder nach Europa suche. Ich kan gar nicht über fatiguen in Arabien klagen, noch über Mangel an den nothdürftigen Lebens Mitteln ; es muss aber doch eine Ursache seyn, warum wir einer nach dem andern krank geworden und gestorben. Sehr vieles that ohne Zweifel der Mangel an Europaeischen Lebens Mitteln als z. E.Wein. Hierunter litte besonders der Prof. von Haven welcher auf dem Kriegs Schiffe Grönland nichts als Bourdeaux Wein für seine Gesundheit zu träglich hielt. Die 2te Ursache war wohl die gar grosse Hize bey Tage und die bisweilen darauf folgende Kälte des Nachts, oder die Hize in dem platten Lande und die Kälte in den Bergen. Verkältung ist auf der Reise mein grösster Feind gewesen. Denn man nimt sich nicht davor in Acht weil die Kälte in diesen Ländern gar zu angenehm ist. Die 3te Ursache war das viele veränderliche Wasser, bald Regen Wasser was bereits in Gysternen verdorben, bald Fluss Wasser, bald salzigt Wasser etc. Die 4te Ursache war unsere Verdriesslichkeiten mit den Gouverneurs und den arabischen Bedienten. Kurz ich bin so müde von dieser Reise, dass ich nicht Lust habe eine neue in den mahometanischen Ländern anzutreten, vornehml. da Arabien der Haupt Punkt unserer Reise war, und anjezo nur so wenig mehr von der Gesellschaft übrig sind.

Sölten Ew. Excellentz meine Resolution wegen meiner Rückreise gegründet finden; so bitte ergebenst meinetwegen bey Hr. von Bernstorffs Excell. zu intercediren. Meine vornehmste Ursachen sind, die Observationes von Arabien nebst eine lebendige Persohn von der Gesellschaft zurück zu bringen. Eine Nebenursache ist : mich in der Engl. Sprache zu perfectioniren, in welcher ich bereits ziemlich avanciret.

Ich würde mehr Nachrichten von Arabien an Se Excell. von Bernstorff abgesandt haben, wenn ich wüste wie die gelehrten in Copenhagen gegen mich gesinnet wären. Ich habe Ursache zu glauben, sie werden d. Hn. Doctor Kramer (er hat mich gebeten s. 163 ihm jederzeit seinen vollkommenen Titel zu geben) als ihren Schüler zu unterstüzen suchen, und ich habe nicht Lust meine Observationes mit den seinigen zu theilen. Ew. Exc. werden in dessen bessere Gedanken von mir hegen als diese gelehrte von unsern braven Prof. Forsk., denn sie fürchteten dieser Mann, der gewiss nichts als Ehre in den Wissenschaften suchte, würde seine Observationes nach Schweden schiken.

Solte d. Hn. Doctor so glücklich seyn nach Constantinopel zu kommen, so bitte das Journal des Prof. von Havens zu verlangen um das Gemüht dieses Mannes noch genaure kennen zu lernen. Er engagirte sich zu der Reise (wie ich bereits in Deutschland hörete) in der Hofnung damit er seine Schulden an seine Vater und Mutter Brüder bezahlen konte; folgl. aus keiner wahren Intention zu reisen. Ihro Excell. von Bernstorff bezeigten ihm alle Höflichkeit, dieselben hätten ihn aber wohl zum Prof. bey der Académie in Copenhagen machen können, da er es besser verdiente wie Forskål. Ihro Hochgräfl. Excell. von Moltke regardirten gar nicht auf seine Verdienste. Diejenige die die Instruction verfertiget waren Ignoranten. Auf dem Kriegs Schiff gieng alles in die Quer. Ew. Excell. sind auch nicht vergessen. Ein jeder von der Gesellschaft bekomt seinen Theil vollkommen, ausser d. Hn. Doctor Kramer, dessen Geschicklichkeit er bisweilen rühmet. Auch sich selber ist er sehr böse dass er mit einer so schlechten Gesellschaft aus Copenhagen gegangen ohne mehrere Gewalt über sie zu haben. Er suchte bey Sr Hochgräfl. Excell. von Moltke verschiedene Punkte worunter (meiner Meinung nach) die völlige Direction und Carte blanche die vornehmsten waren ; er erhielt aber gar keine Antwort. Kurz er hat sich so viel mit Tastern aufgehalten, dass er mit seinem Journal nicht einmahl bis zu unserer Abreise aus Cairo gekommen. Seine Anmerkungen in Arabien stehen auf losen Blättern, wohl von l1/? Monahte und mehr auf einem halben Bogen. Das arabische unter seinen Manuser, sind mehrentfals Copien aus gedruckten Bücher die er copiirte wie er sich zu der Reise præpariren solte.

Es könte nicht schaden auch die Observationes d. Hn. Doctors zu verlangen. Es kan seyn dass er wichtige Sachen bemerket.

Niebuhr.

Bombay d. 10te Jan. 1764.