Danmarks Breve

BREV TIL: Hans Christian Ørsted FRA: Johan Georg Forchhammer (1821-06-15/1821-06-19)

Herrn Professor Ørsted.


Copenhagen
.

Thorshavn. 15. Iunii 1821.

Lieber Herr Professor.

Seit etwa 10 Tagen bin ich endlich hier angekommen, nachdem ungünstige Winde mich beinahe 6 Wochen zwischen den Inseln von Orkney und Shetland herumgetrieben. Fast seit der Stunde da ich Edinburgh verliesz, hat es gestürmt und in der Regel aus Norden.

Kaptain Koleby *) und seine Ingenieurs verliesz ich in Shetland und ein junger englischer Naturforscher **) , der Faerøe zu besuchen wünschte ging mit mir herüber. Hier habe ich Ihren Brief vorgefunden und sage Ihnen herzlichen Dank für die Besorgung meiner Angelegeheiten; auf den zweiten Brief der mit Kaptain Hinrichsen kommen sollte hoffe ich tagtäglich.

Ich habe noch nicht viele Beobachtungen machen können, allein die die ich gemacht habe scheinen mir nicht ohne Intresse zu sein. Der nördliche Theil von Schottland (Caithnessshire) die Orkneyinseln ganz und gar, und ein Theil von den Shetlandinseln ist Übergangssandstein, genau wie der Scandinavische. In Orkney bildet er senkrechte Felswände an einer Stelle 1200 Fusz hoch, hier wechselt er mit Grauwackeschiefer. In Shetland kömt er als Conglomerat vor, und als untergeordnete Formen finden sich, eine Art Granit Glimmerschiefer (Übergangsglimmerschiefer), Thonschiefer, Alaunschiefer und hier wie auf Bornholm enthält der Alaunschiefer Anthrakolith, und die Insel Moussa [= Mousa] wo ich ihn entdeckte ist die einzige Stelle in Brittanien wo er sich findet. Eine solche s. 130 Uebereinstimmung an so entfernten Orten ist doch höchst merkwürdig.

Während meines Aufenthalts in Shetland machte ich eine Menge Quellenbeobachtungen die die Temperatur von Lerwick am Seeufer 45’2° Fahrenheit gaben und für jede 140 Fusz Höhe einen Grad Fahrenheit Abnahme; gleich viel ob die Quelle aus Übergangssandstein oder aus Urthonschiefer, aus Grauwacke oder aus Glimmerschiefer springt. Hier ist es ganz anders. Die Beobachtungen die ich gemacht habe und die sich in Faerøe bis nahe an 50 belaufen mögen, scheinen deutlich anzudeuten, dasz das Land als solches, als ein Ganzes, gar keine Mitteltemperatur hat, dasz die Gesetze der Abnahme der Temperatur mit der Höhe hier gar nicht gelten, oder wenn ich die niedrigste Quelle nehme, und nach den in Shetland gefundnen Gesetzen berechne, die Mitteltemperatur von Faeroe höher kömt als die von Shetland obgleich um 2 Grade nördlicher. Ich sende Ihnen hierbei die Quellen Tafel von Naalsøe, die das Resultat einer äuszerst beschwerlichen mühsamen Tagesreise ist. Für die Genauigkeit desselben will ich einstehen. Die Quellen aus Basalt sind die kältesten, aus Chabasie-Mandelstein viel wärmer, und zwar so, dasz eine Höhe von 400 Fusz kaum einen Unterschied zu machen scheint. Am wärmsten sind die Quellen aus porphyritischem Grünstein und aus Porphyr, die sich indessen nicht auf Naalsøe finden, und die bis 50° F. steigen.

Ich will hier weiter keine Schlüsse ziehen, bis ich mehr Beobachtungen gesammelt habe, an dem Resultat, dasz gewisse Schichten höhere Temperatur haben als andre habe ich indessen keinen Zweifel.

Ich bitte machen Sie keinen weitern Gebrauch von der Tafel, ich möchte nicht gerne etwas darüber bekannt haben, bis meine Beobachtungen vollständig sind. Über die Natur des Trapps könnte es vielleicht bedeutende Auskunft geben. Eine andre Erscheinung die vielleicht von dieser gröszern Wärme abhängt ist die stette Fortbildung s. 131 Zeolithartiger Fossilien. Zeolithsinter ist ein gar häufiges Fossil, allein man hält es gewöhnlich für Kalksinter dem es sehr ähnlich sieht; allein ich habe Stilbit, Mesotyp Ichtiophthalm im Act des Krystallisirens gefunden, dann ist der Ichtiophthalm der sonst Glasz ritzt so weich dasz man ihn mit den Fingern zerdrücken kann.

Den 19. Junii.

Seit meinem letzten Briefe habe ich wieder eine Menge Beobachtungen gemacht, die wieder nicht mit den von Naalsøe übereinstimmen. Die höchste Quelle 1477 eng\\\' lische Fusz hat . . . 38,8° Fahrenheit. Ich wollte Ihnen mehreres darüber schreiben allein der Wind ist günstig für Süderoe, ich darf ihn nicht unbenutzt vorbei gehen lassen.

Herzliche Grüsze an alle die Ihrigen.

Ihr Georg Forchhammer.

Kaptain Hinrichsen ist noch immer nicht hier, mit ihm ein mehreres.

G. F.

Auf dem Gipfel von Naalsøe um 3 Uhr Nachmittag stand das Barometer 28.912 das Thermometer 11 1/2 centigrade im Barometer, in der Luft 5 1 F. Der Sturm der am Abend hereinbrach hinderte mich Thermometerbeobachtungen am Strande zu machen. Den Einflusz der Wärme ungerechnet würde die Höhe von Naalsøe 1041 englische Fusz sein; eine andre Höhe die für die höchste ausgegeben wird ist 978 Fusz. Die am höchsten beobachtete Quelle ist daher nur 156 Fusz unter dem Gipfel.

Die Höhe der Quellen wurde gefunden indem der Unterschied im Barometerstande zwischen Morgen und Abend gleichmäszig über die ganze Zeit vertheilt wurde, und dann für jede englische Linie 87.5 englische Fusz gerechnet.