Danmarks Breve

BREV TIL: Ernst Heinrich von Schimmelmann FRA: Johan Georg Forchhammer (1821-07-14)

[Brev til Grev Schimmelmann]

(dog ikke afsendt).

Thorshavn. Faerøe. 14. Julii 1821.

Das Schiff mit dem ich diesen Brief zu senden gedenke sollte am Ende des Iunii absegeln, und ich wollte daher lieber 14 Tage warten um Ihnen ausführlicher über meine Arbeiten Nachricht geben zu können. Darum schrieb ich nicht mit dem ersten Schiff, denn ich hatte noch fast nichts gesehen. Ein ungewöhnlich lange anhaltender ungünstiger Wind mag das Schiff in seiner Reise hierher aufgehalten haben, denn es ist noch nicht angekommen, allein da ich morgen meine Reise nach den Nordinseln anzutreten gedenke, so schreibe ich in der Hoffnung, dasz sich während meiner Abwesenheit von Thorshavn eine Gelegenheit nach Kopenhagen finden wird.

Sobald das Wetter es erlaubte ging ich nach Suderøe um mit der Lagerstätte der Kohlen näher bekannt zu werden. Dies Kohlenlager unterscheidet sich von allen ändern durch ganz merkwürdige Verhältnisse.

Es ist durchaus verschieden von allen bis jetzt beschriebnen Kohlenlagern im Trapp, wie an Meiszner in Hessen, oder auf den Westinseln von Schottland, es bildet nicht ein mächtiges Lager von geringer Ausdehnung, sondern, es ist ein wahres Flötz von einer Ausdehnung von 1 1/2 deutschen Quadratmeilen und gleicht darin den englischen Kohlenlagern von denen es sich indessen durch seine Verbindung mit Basalt und ändern Gesteinen der Trappformation unterscheidet. Das für diese Inseln ungewöhnlich günstige Wetter erlaubte mir ein vollständiges barometrisches Nivellement zu unternehmen, und ich habe mich überzeugt, dasz die Ausdehnung desselben noch einmal so grosz ist als man bis jetzt angenommen hat. Die gröszte Höhe bis zu welcher ich es verfolgen konnte, ist am Q[u]ønnafiall 1712 Fusz hoch; im Norden der Insel findet es sich am Seeufer. Die Kohle ist 28 Zoll mächtig, allein ein dünnes Lager von Thon liegt in derselben und theilt sie in 2 Lager von 10—12 Zoll ab.

s. 133 Die Kohle ist vortrefflich, fast ganz frei von Schwefel und kömt der Kennelkohle nahe. Ich entdeckte Eisensteinlager im Thon der Kohle und an manchen Orten mächtig genug um bauwürdig zu sein, so dasz, wenn die Einwohner von Faerøe einst auch andre Nahrungszweige als Fischerei und Viehzucht ergreifen werden es eine Sache von Bedeutung für diese Inseln werden könnte.

Der Bau der Kohle wird ungemein erleichtert durch die Beschaffenheit des Gesteins und des Gebirges, das von tiefen Thälern durchschnitten wird, und daher stets einen Abflusz für das Grubenwasser erlaubt. Man spricht jetzt hier davon dasz ein freier Handel nach Faerøe erlaubt werden wird, dann vielleicht würde es die Kosten lohnen die Kohlen nach der Westküste von Jütland auszuführen, nur nicht nach Kopenhagen wohin die Fracht so bedeutend werden würde. Die Einwohner der Dörfer die nahe bei dem Kohlenlager liegen fangen schon an Kohlen anstatt Torf zu gebrauchen.

Ich hoffte Aufschluss über die räthselhafte Trappbildung hier zu finden, allein es ist hier alles anders als die Mineralogen es beschreiben. Der Trapp und B(asalt) soll nicht geschichtet sein, allein aller Trapp den ich bis jetzt hier gesehen habe ist so regelmässig geschichtet als irgend ein Sandstein sein kann. Nicht desto weniger haben die Oberflächen der verschiednen Lager durchaus das Ansehen einer gefloszenen Masse. — Die Quellen die in ändern Ländern ganz regelmäszig sind, die wenn sie am Meeresufer sind die mittlere Temperatur des Landes anzeigen und sonst in einem bestirnten Verhältnisz niedriger werden wenn man höher steigt, sind hier ganz unregelmäszig.

Ich habe jetzt schon über 100 Quellen bestirnt, ihre Höhe überm Meere und ihre Temperatur, allein ich kann das Gesetz noch nicht finden.

Alle Gesteine die ich bis jetzt noch hier gesehen habe [sind] mit kleinen Partikeln von Kupfer durchwoben, aber s. 134 es ist nirgends in solchen Mengen um bauwürdig zu sein, obgleich das Kupfer goldhaltig ist.

Für die Einwohner der Häfen an der Ostküste, die seit der Vereinigung von Norwegen mit Schweden an Erwerbsquellen Mangel leiden, besonders für Flensburg glaube ich würde es eine gute Speculation sein den Walfischfang von hier aus zu treiben, und entweder die Kohlen von hier als Ballast mitzunehmen, und den Thran an Bord auszuschmelzen, oder den Speck hierher zu bringen und hier eine Thranschmelzerei anzulegen. Mit mäszig gutem Winde dauert die Fahrt vom Eise hierher 8—10 Tage. Die Kohlen kommen hier sehr wohlfeil, die dänische Tonne, etwa 300 i#, kostet an Arbeitslohn nicht mehr als 1 $. bis 1 $. 8 welches für eine engliche Tonne zu 2240 beinahe (in höchstem Falle 2 Rbth) 9 bis 10 % sein würde oder 254 d. Nun aber findet man es noch vortheilhaft in Schottland Salz vom Seewasser zu kochen, wenn man die englische Tonne Kohlengrus für 4 s kaufen kann, und die groszen Fabriken in Glasgow haben ihre Kohlen nicht unter 10 s pr. Ton. Wahrscheinlich werde ich diesen Herbst nach Copenhagen zurückkommen da meine Kasse mir schwerlich erlauben wird über England und Deutschland zurückzukehren, was ich so gerne möchte um mit meiner Arbeit über das grosze Bassin, in dem Dännemark einen Theil ausmacht und das in seinen gleichliegenden Theilen so grosze Aehnlichkeit zeigt, weiter zu kommen.

Ich glaube mit einigen der schwierigsten Punkte im Reinen zu sein, nehmlich mit der sogenannten Kohlenformation, mit dem Übergangssandstein und seinen Nebenbildungen und mit einem Theil des Trapps (nehmlich Werners Flötztrapp) der wohl in 3 vielleicht 4 ganz verschiedne Formationen zerfallen möchte.

Allein mir fehlt die Verbindung eines Theils der englischen neuern Kalkflötze mit den deutschen, denn es ge- s. 135 hört jetzt zum guten mineralogischen Ton in England nicht ein Wort von dem zu wissen was in ändern Ländern für Mineralogie geschehen ist.

Gerne hätte ich gewünscht, dasz es mir möglich gewesen wäre auf den Theil der Aufträge Eurer Excellenz »die Theilnehme an die Industri Anstalten zu finden« zu erfüllen, allein da es die höchste Zeit war meine Reise nach Faerøe anzutreten, wenn ich überhaupt dahin gehen wollte, so durfte ich nicht länger warten, und da Sie mir keine weitere Befehle sandten, so glaubte ich der Plan wäre aufgegeben. Obgleich nun Eure Excellenz nun nicht mehr unmittelbar meine Arbeiten fodern so haben Sie es mir zur Pflicht gemacht, auch die Resultate meiner wissenschaftlichen Arbeit —.

[ufuldendt].